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06.03.2017
 · Aktuelle Meldungen

Die Leidenszeit von Transplantationspatienten verkürzen

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Jochen Göhrs wartet auf eine neue Niere. Seit Herbst 2013. Da haben die Organe des Achimers versagt. Seither muss der heute 55-Jährige dreimal pro Woche in die Dialyse – für jeweils viereinhalb Stunden. Gezeichnet davon und von mehreren Schlaganfällen hat mir der ehemalige Lehrer seinen Leidensweg erzählt, als ich ihn zu Hause besucht habe. Göhrs hatte erfahren, dass ich mich für eine bessere Information der Bürger über Organentnahmen und Transplantationen einsetze. Das, so hofft er, könnte helfen, den Leidensweg anderer Menschen, die auf ein lebensrettendes Organ warten, zu verkürzen.

 Es ist für mich ein Unding, dass es im vergangenen Jahr lediglich zwei Organ-Entnahmen in Bremer Krankenhäusern gegeben hat. Gleichzeitig warten hier mehr als 80 Personen auf lebensrettende Organe und müssen sich wie Jochen Göhrs aus immer neuen gesundheitlichen und persönlichen Rückschlägen wieder zurückkämpfen. Wir sind uns absolut einig, dass es sich um ein Thema handelt, bei dem Parteipolitik keine Rolle spielen darf. Es muss uns darum gehen, den Betroffenen besser helfen zu können und die Bereitschaft der Bürger zur Organspende durch sachliche und verständliche Information zu erhöhen.

Ich bin der Ansicht, dass die in Deutschland vorgeschrieben Zustimmungslösung zur Organspende, die Wartezeit bis zu einer Transplantation unnötig verlängert. Diese Bestimmung besagt, dass jeder Bürger von sich aus ausdrücklich einer späteren Entnahme von Organen zustimmen muss. Damit wird die Organspende zur Ausnahme gemacht. Viele Menschen befassen sich nicht mit dem Thema. Entsprechend gering bleibt die Zahl der Spender.

 Mehrere europäische Länder arbeiten mit der sogenannten Widerspruchslösung. Dort sind die Wartezeiten auf ein Organ deutlich kürzer. Bei dieser Lösung muss der Bürger von sich aus ausdrücklich einer Organentnahme im Todesfall widersprechen. Hier ist die Organspende also der Regelfall. Das entspricht mehr dem Gemeinsinn, den der deutsche Staat fördern möchte. Wichtig ist mir dabei: Auch bei einer solchen Lösung liegt die Entscheidung zur Organspende allein beim Bürger.

 Ich bin auf die enormen Belastungen für Transplantationspatienten durch zwei Fälle in meinem persönlichen Umfeld aufmerksam geworden. Das geht mir sehr nahe. Seither versuche ich, die Lage für die Betroffenen zu verbessern. Wenn in Deutschland eine Widerspruchslösung nicht durchsetzbar sein sollte, könnten wir uns auch ein Beispiel an Israel nehmen. Dort, so habe ich von Sonja Schäfer, der Transplantationsbeauftragten für Bremen und Niedersachsen erfahren, gibt es ein Organspender-Register. Wer sich dort freiwillig einträgt, wird vorrangig behandelt, wenn er selber einmal ein Organ benötigt. Ich bin mir sicher, dass das ein größerer Anreiz ist, sich mit der Thematik zu befassen, als die Lösung, die wir heute in Deutschland haben.

 Jochen Göhrs wird nach der Erholung von den Schlaganfällen wieder zurück auf die Transplantationsliste kommen. Wie lange er auf eine neue Niere warten muss, ist unklar. Wartezeiten von mehr als acht Jahren sind keine Seltenheit. Das würde er anderen Menschen gerne ersparen helfen – mit meiner Hilfe.​


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