Im Westen sind wir beständiger gegenüber Extremismus

 

Bei seinen Recherchen für eine Facharbeit zum Thema „Der staatlich verordnete Antifaschismus in der DDR als Utopie“ habe ich den Elftklässler Jannik Woelki unterstützt. Hierfür stand ich dem 17-Jährigen Schüler des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums im Beisein von Schulleiter Dr. Stefan Krolle und Mitschülerin Alina Rückert Rede und Antwort.

Für mich ist Utopie eine Wunschvorstellung, die sich allerdings nicht praktisch realisieren lässt. Es war eine Utopie und von den Verantwortlichen naiv zu glauben, dass die DDR das bessere Deutschland sei, auf deren Gebiet es nach dem 8. Mai 1945 keinerlei rechtsextremen Gedankengänge mehr gibt. Die aktuellen Wahlergebnisse extremer Parteien in den ostdeutschen Bundesländern, insbesondere in Sachsen, zeigen erschreckend, dass dort die Aufarbeitung des Faschismus nicht erfolgreich gewesen sein kann. Anstatt kritisch zu hinterfragen, sind wesentliche Strukturen aus dem Faschismus übernommen worden. Beispiele dafür sind Polizei, Militär und Jugendorganisationen.

Im Gegensatz zur Aufarbeitung in der Bundesrepublik sind in der DDR die Opfer nicht mit einbezogen worden. Stattdessen hat das nimmermüde Wiederholen antifaschistischer Parolen das Feld überdüngt. Damit wird das Gegenteil erreicht. Westdeutschland hat sich mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus ebenfalls schwer getan. Erst spät in den 60er Jahren hat die Jugend unbequeme Fragen zur Geschichte gestellt. Das führte bei uns aber zu intensiven Diskussionen. Dadurch sind wir im Westen heute widerstandsfähiger gegen Extremismus von Links und Rechts.

Für die Zukunft ist mir wichtig, dass politisch Andersdenkende nicht vorsätzlich ins Abseits gedrängt werden dürfen. Dadurch werden sich ihre extremen Gedanken nur verfestigen. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Bevölkerung die Anzahl und Geschwindigkeit in der wir Flüchtlinge aufgenommen haben nicht wollte und dies auch in politischen Entscheidungen entsprechend umsetzen.

In diesem Zusammenhang kritisiere ich auch die zunehmende Verrohung der Sprache und die vielen Fake-News in den sozialen Medien, die unhinterfragt geglaubt und geteilt werden.

Das Foto zeigt mich von links mit Dr. Stefan Krolle, Jannik Woelki und Alina Rückert.