Mehr innovative Ideen rund um die Milch

Nach dem Wegfall der Milchquote bringen die heftigen Schwankungen des Milchpreises immer wieder kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe in Existenznot. Warum das so ist und welche Wege es aus dem Dilemma gibt, zeigte eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Dr. Bettina Hartwig, Unterabteilungsleiterin für Agrarmärkte im Bundeslandwirtschaftsministerium, auf, zu der ich gemeinsam mit den Kreisverbänden Osterholz und Rotenburg-Verden des Niedersächsischen Landvolks nach Oyten eingeladen hatte.

Dr. Bettina Hartwig erläuterte die Entwicklung der deutschen und europäischen Marktordnung für die milchproduzierenden Betriebe. Sie erzählte, dass die Milchquote bei ihrer Einführung eigentlich nur für fünf Jahre gedacht worden war. Letztlich wurde dieses Steuerungsinstrument aber 31 Jahre lang genutzt, obwohl es von Beginn an erhebliche Geburtsfehler gehabt habe. Europa habe einen Anteil am weltweiten Milchmarkt von etwa 30 Prozent. Der Markt überrasche immer wieder alle Beteiligten. Das mache es für die milchproduzierenden Betriebe schwer, sich zukunftssicher aufzustellen.

Der Bund unternimmt enorme Anstrengungen, um unsere Milchviehbetriebe bei ihrem Weg durch den Strukturwandel zu unterstützen. Das unkalkulierbare Auf und Ab beim Milchpreis ist für die Landwirte äußerst ungesund. Gerade wir Haushaltspolitiker des Bundestages haben uns monatelang mit der Finanzierung von Förderprogrammen befasst, die insgesamt einen Umfang von 581 Millionen Euro haben. Es ist wichtig, das Sterben landwirtschaftliche Betriebe aufzuhalten.

Ich forderte die Lebensmittelindustrie und Molkereien dazu auf, innovative Vermarktungsideen zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Ich warb darum, in solchen Fällen Anträge auf Innovationsförderung zu stellen. Die nötigen Mittel dafür sind vorhanden. Es wäre klug, jetzt die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Das gilt auch für die Wertschöpfungskette. Ein gutes Beispiel ist die enorme Absatzsteigerung bei Butter. Die ist darauf zurückzuführen, dass durch die Beimischung von Pflanzenfett die Streichfähigkeit verbessert worden ist. Das haben die Kunden honoriert.

In der Diskussion machten die teilnehmenden Landwirte deutlich, dass die immer neuen Auflagen von Bund und Ländern gerade den kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben die Luft zum Atmen nehme und damit den Weg in eine Massentierhaltung begünstige. Das habe das Ministerium erkannt und arbeite an einer Lösung, berichtete Dr. Hartwig. Die Landwirtschaft ist nicht nur Teil unserer Kultur. Die Landwirte sorgen auch dafür, dass wir gute, schmackhafte und eine Vielzahl von Lebensmitteln haben. Sie sichern unsere Ernährung und darum müssen wir sie unterstützen und ihnen die besten Rahmenbedingungen bieten.