Eine Folge der Freundschaft

2013 01 22 Weser Kurier Artikel dt-fr FreundschaftVor 50 Jahren unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag. Er gilt als Basis der Aussöhnung Deutschlands und Frankreichs, als Eckpfeiler der deutsch-französischen Freundschaft. Der CDU-Abgeordnete Andreas Mattfeldt hat ein ganz persönliches Verhältnis dazu.

VON TOBIAS LANGENBACH
Berlin. Es ist ein Spektakel: Deutsche und französische Abgeordnete sitzen heute zusammen im Bundestag. Danach wird im Abgeordnetenhaus gespeist, bevor es zum Philharmonie-Konzert geht. Auch die Staats- und Regierungsspitzen melden sich zu Wort: Kanzlerin Angela Merkel redet, Frankreichs Präsident François Hollande sowie Bundespräsident Joachim Gauck.
Heute vor 50 Jahren unterschrieben Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag. Nach Jahren des Hasses und des Krieges sollte endlich Schluss damit sein, Aussöhnung und Vertrauen an deren Stelle treten. Bis heute gilt der Vertrag als Grundstein der deutsch-französischen Freundschaft. Berlin zelebriert dies heute mit viel Aufwand. Für den CDU-Abgeordneten Andreas Mattfeldt (Langwedel) hat dieser Tag eine konkrete emotionale Bedeutung: „Ohne die deutsch-französische Freundschaft würde es mich wahrscheinlich nicht geben“, sagt er.
Denn die Familiengeschichte des heutigen Politikers ist untrennbar mit Frankreich verbunden: Im Zuge des Élysée-Vertrages bilden sich deutsch-französische Stadtpartnerschaften – unter anderem zwischen Verden und dem westfranzösischen Saumur. 1968 kommt der junge Franzose Jean Michel aus Saumur nach Verden. Er jobbt unter anderem für eine Firma, die Tiernahrung produziert, und verliebt sich in eine Deutsche. Jean Michel ist aber schon wieder zurück in Frankreich, als sein Sohn – Andreas Mattfeldt – geboren wird.

Die Kinder stellen Fragen

35 Jahre lang besteht kein Kontakt, stellt Mattfeldt keine Fragen. Das einzige, was an den Besuch des Vaters in Verden erinnert, sind alte Bilder sowie ein Zettel mit einer Adresse in Frankreich. Es sind die Kinder Mattfeldts, die schließlich mehr über ihre Familie wissen wollen: „Wer ist eigentlich unser richtiger Opa?“

Andreas Mattfeldt schreibt dem Vater einen Brief. Im Sommer 2005 kommt es zum Treffen in Paris, beide verstehen sich auf Anhieb. Vater Jean Michel nimmt Sohn Andreas später mit nach Hause, um ihm den Rest der Familie, die inzwischen in Le Mans wohnt, vorzustellen. Im Gespräch wechselt Mattfelds Großvater dann plötzlich ins Deutsche. Er redet vom französischen Soldatenleben und von der Gefangennahme während des Weltkriegs, von der Verschleppung nach Thüringen und von harter Arbeit auf einem Gutshof.

Mattfeldt erfährt, wie stark nach dem Krieg das Misstrauen zwischen Deutschen und Franzosen war. Er erfährt aber auch – nicht zuletzt durch die eigene Biografie –, dass Freundschaft und Verständigung möglich waren und sind. Heute ist der Kontakt zum französischen Teil der Familie gut, sagt Mattfeldt. Man besucht sich, lebt deutsch-französische Normalität.

Mattfeld hat seine Geschichte im Vorfeld der Feierlichkeiten im Parlament vorgetragen. „Seltsam“ sei es gewesen, in einer Rede so viel Persönliches preiszugeben, erzählt Mattfeldt – der CDU-Mann ist Haushaltspolitiker, redet zumeist über abstrakte Themen. Die Rede sei aber gut gewesen, das hätten auch Oppositionspolitiker bestätigt.  

 
c/c Weser-Kurier v. 22.1.2013
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