Nichts für Langschläfer

  • Gute Erfahrung: Gastgeber Andreas Mattfeldt mit Gerold Stabel im Reichstag. FOTO: FR

Osterholzer Schüler schlüpft in Berlin in die Rolle eines Bundestagsabgeordneten

VON KIM VON OESEN

Osterholz-Scharmbeck.

Viele Jugendliche haben mit Politik nicht viel am Hut. Nicht so Gerold Stabel. Er nahm am diesjährigen „Jugendmedienworkshop – Jugend und Parlament“ teil. Dazu werden die jeweiligen Bundestags-Abgeordneten beauftragt aus ihrer Region einen Jugendlichen auszuwählen und ihn für den Workshop zu nominieren. Christdemokrat Andreas Mattfeldt wählte dazu neben vielen anderen Bewerbern auch Gerold Stabel aus.

„Ich habe mich sehr gewundert, denn ich war der einzige, der nicht in der Jungen Union war,“ erzählte Stabel. Vermutlich war genau das das ausschlaggebende Argument für Andreas Mattfeldt, sich für den 17-jährigen Osterholzer zu entscheiden. Am 13. Juni ging es per ICE nach Berlin. Mit weiteren Jugendlichen hatte Stabel die Möglichkeit, vier Tage lang in die Rolle eines Abgeordneten zu schlüpfen und unter realen Bedingungen seinen Arbeitstag zu simulieren. „Wir mussten bereits um sechs Uhr morgens aufstehen und vor 24 Uhr kamen wir auch nicht zum Schlafen“, merkte der IGS-Schüler an. Ganz klar, für Langschläfer war das nichts.

Ernsthafte Simulation

Gerold Stabel war einer von 311 Jugendlichen. Jeder von ihnen wurde einer Partei zugeordnet und bekam eine eigene Identität, bei der die Namen selbst ausgewählt werden durften. Ab sofort war der Schüler nur noch unter dem Synonym „Prof. Martin Dietrich“ bekannt. „Ich habe einfach überlegt, was zu mir passen könnte und da kam ich irgendwie auf diesen Namen.“ Ein abstrakter Name, der zum Schmunzeln führt, kam für ihn nicht in Frage. „Ich wollte das alles schon ernst nehmen, immerhin bekommt man eine solche Chance nur einmal“, erklärte Stabel. Sein Spielcharakter war 31 Jahre alt, ledig und kinderlos.

Die Jugendlichen wurden verschiedenen Parteien zugeordnet, die stellvertretend für die CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Linken standen. Stabel landete prompt bei der APD (SPD). Die Ausschüsse konnten jedoch von den Jugendlichen selbstständig gewählt werden. Aufgrund seines sozialen Engagements beim Technischen Hilfswerk (THW) bot es sich für Stabel an, den Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe zu beziehen. Jedoch klappte dies nicht und er landete im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. „Ich wollte zwar gerne in den Ausschuss, aber ich war für alles offen,“sagte Stabel.

In seinem Ausschuss wurde der Entwurf eines Gesetztes zur Steuerung der Einwanderung nach Deutschland zum Zweck einer Arbeitsaufnahme – also kurz Einwanderungsgesetz – entworfen. „Es wurden immer drei Ausschüsse zusammengelegt und einer davon übernahm jeweils die Leitung. Wir arbeiteten mit dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie dem Innenausschuss zusammen“, berichtete der Schüler. Dabei seien sehr interessante Vorschläge und Ergebnisse zum Vorschein gekommen. Beispielsweise hatten sich die „neuen Politiker“ überlegt einen Test für jeden Migranten zu kreieren, bei dem es eine gewisse Punktzahl erforderte, um arbeiten zu dürfen. „Natürlich war das nur eine Simulation und ist nicht die nächste Gesetzesvorlage.“

Stabel machte vor allem Spaß, dabei mit den anderen über politische Themen zu kommunizieren und die Funktionsweisen des Bundestages hautnah kennenzulernen. Auf die Frage, ob er wichtige Kontakte geknüpft habe, antwortete Stabel grinsend: „Wer weiß, vielleicht kenne ich ja jetzt den nächsten Bundeskanzler.“ Neben den Gesprächen mit Gleichaltrigen und Kollegen von Andres Mattfeldt ergab sich auch die Möglichkeit, sich persönlich 30 Minuten lang mit ihm zu unterhalten. „Es war Schade, dass nicht mehr Zeit drin war, doch er hatte natürlich einen vollen Terminkalender und auch wir waren sehr beschäftigt,“ berichtete Gerold Stabel. Doch trotz Stress, wenig Schlaf und einer Vielzahl an Eindrücken, findet Stabel es gut, dass „so etwas überhaupt noch gemacht wird, obwohl es viele Kürzungen gibt“.

Sein Fazit: „Ich kann jedem Jugendlichen nur empfehlen daran teilzunehmen und auch Eigeninitiative zu ergreifen und sich zu bewerben.“

Osterholzer Kreisblatt vom 18.09.2015

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