Bremen muss lernen, wieder ein verlässlicher Partner zu werden

Die wichtigen Themen, die uns bewegen, machen nicht an der Grenze zwischen der Hansestadt und Niedersachsen halt. Deshalb benötigen wir dringend einen Schulterschluss der Bremer mit ihren Umlandgemeinden. Wir sind aufeinander und auf den gemeinsamen Erfolg angewiesen.

Gerade bei den jüngsten Entscheidungen und Weichenstellungen habe ich den Eindruck, dass die politische Führung an der Weser dies zu wenig berücksichtigt. Stattdessen führt die unsichere Haltung zu einem Vertrauensverlust – bei den Kommunen im Umland, wie bei Bremer Unternehmen und Bürgern.

Es ist mir unbegreiflich, wie die Hansestadt die fertigen und finanziell gesicherten Planungen für den Ausbau der Bundesstraße 6n über den Haufen werfen konnte. Ebenso würde ich mir ein klares Bekenntnis Bremens zur geplanten Autobahnabfahrt Achim-West wünschen: Die brauchen gerade Bremer Unternehmen in den angrenzenden Industrie- und Gewerbegebieten dringend – allen voran Mercedes und der Weserpark. Bremen soll Klartext reden und sagen, mit wieviel Geld es dieses Projekt anschiebt.

Wir müssen endlich zu einem Miteinander auf Augenhöhe kommen. Sonst könnten sich die Umlandgemeinden vom großen Nachbarn abwenden und deutlich weniger Rücksicht nehmen. Das kann nicht gewollt sein. Vorbei sind die Zeiten, als nur Arbeitnehmer aus dem Umland zur Arbeit in die Stadt pendelten. In Oyten ist es zum Beispiel schon fast umgekehrt.

In meinen Augen muss Bremen lernen, wieder verlässlicher Partner zu werden. Die enormen eigenen Sorgen zwingen die Stadt dazu. So werden zum Beispiel die finanziellen und strukturellen Probleme im Gesundheitswesen für beide Seiten allein nicht zu lösen sein. Bei Krankenhäusern und Fachärzten ist Bremen auf Kooperationen mit Umlandgemeinden und -einrichtungen angewiesen und umgekehrt.

Beispiele für gemeinsame Handlungsfelder gibt es reichlich. Es fängt an mit der touristischen Vermarktung der Region. Was wäre die Böttcherstraße ohne Worpswede, was das Blockland und der Findorffhafen ohne die Osterholzer Torfkähne? Was wäre das Bremer Trinkwasser ohne die Förderung im Landkreis Verden. Und: Wie schultern wir die daraus resultierenden Grundwasser-Probleme gemeinsam? Wie bekommen wir den schienengebundenen Personennahverkehr bewältigt, der mit zunehmendem Güterverkehr kaum noch in den Bremer Hauptbahnhof kommt?

Wir müssen über die Infrastruktur für unsere Zukunft, Einzelhandel, Wasserstraßenunterhaltung und mehr reden sowie mit der Lösung unserer Probleme beginnen. Gemeinsam, effektiv und zuverlässig.

Unser Gastautor ist CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Osterholz-Verden. Der 47-Jährige ist Mitglied im Haushalts- und Petitionsausschuss. Mattfeldt ist verheiratet und hat zwei Töchter.

aus Weser-Kurier vom 04.10.2016

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