Bundesbehörde statt Bundeswehr

Die Gemeinde Schwanewede möchte Standort einer Bundesbehörde werden. Das neue Bundesamt für kerntechnische Entsorgung könnte nach den Vorstellungen der Kommune auf dem Gelände der Lützow-Kaserne angesiedelt werden. Die Behörde ist derzeit in Berlin in Räumlichkeiten des Bundesumweltministeriums ansässig, sucht aber einen eigenen Verwaltungssitz. 
VON GABRIELA KELLER
Schwanewede. Die Ansiedlung einer Bundesbehörde auf dem Gelände der bald frei werdenden Lützow-Kaserne – mit dieser Perspektive liebäugelt die Gemeinde Schwanewede. Im Blick der Kommune: das neue Bundesamt für kerntechnische Entsorgung (BfE), das im September seine Arbeit aufgenommen hat. Die Behörde, vorläufig in Berlin ansässig, sucht einen eigenen festen Sitz. Schwanewede hat sich als möglicher Standort ins Gespräch gebracht. 
Mit einem Brief an den kommissarischen BfE-Leiter Ewold Seeba hat die Gemeinde vor wenigen Tagen schon mal ihre Visitenkarte abgegeben. „Wir haben ein starkes Interesse, die Behörde bei uns anzusiedeln“, sagt Bürgermeister Harald Stehnken. Und nennt auch gleich die Vorteile, mit der die Kommune aus seiner Sicht aufwarten kann: gute Infrastruktur, attraktive Baugebiete, Sport- und Freizeitanlagen, gute Kindergärten und Schulen. Argumente, die er auch im Brief an die Behörde in die Waagschale geworfen hat. Mit dem Hinweis auf das 70 Hektar große Konversionsgelände, das ein „erhebliches Flächenpotenzial und große Gebäudebestände“ biete, macht die Gemeinde der Bundesbehörde das Bundeswehr-Areal als möglichen Standort schmackhaft. 
Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgung ist noch im Aufbau. Als selbstständige Behörde gehört es zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. In den Räumen des Ministeriums ist das Amt vorläufig auch untergeschlüpft. Die Aufgabe des BfE: Es soll in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strahlenschutz mögliche Standorte für ein Atommüll-Endlager prüfen und Eignungsaussagen treffen. Im Bundeshaushalt sind für das Amt im laufenden Jahr zunächst 20 Stellen bewilligt, langfristig soll es bis zu 250 Mitarbeiter beschäftigen. 
Arbeitsplätze, die Schwanewede nach dem für das dritte Quartal 2015 geplanten Abzug der Soldaten gut gebrauchen könnte. Meint die CDU-Ratsfraktion. Sie brachte den Stein mit dem Bundesamt vor einiger Zeit mit einem Antrag in der Arbeitsgruppe Konversion ins Rollen. Die Gemeinde soll zunächst prüfen, ob eine Bewerbung Schwanewedes als Standort für die neue Behörde eine Chance hat. „Wenn wir das Amt nach Schwanewede holen könnten, wäre das eine sinnvolle Sache. Der Verlust von Arbeitsplätzen durch den Abzug der Bundeswehr könnte dadurch abgefedert werden und ein Teil des Kasernengeländes sinnvoll nachgenutzt werden“, meint der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ronald Grzeschik. „Es gibt auf dem Gelände genug gut erhaltene Gebäude, die mit wenig Geld herzurichten und schnell nutzbar wären.“
Schwanewede ist nicht die einzige Kommune, die auf das BfE ein Auge wirft. Die Städte Peine und Bonn haben schon ihr Interesse an einer Ansiedelung in Berlin bekundet. Auch Remlingen im Landkreis Wolfenbüttel ist im Rennen. Hier wirbt man sogar mit geplanten Anlagen zur Bearbeitung von Atommüll im Bergwerk Asse und kurzen Wegen zum Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter. 
Schwanewede rechnet sich im Falle einer Bewerbung durchaus Chancen aus. „Um Untersuchungsaufträge zu vergeben, muss das Amt nicht in der Nähe von Untersuchungsgebieten sitzen“, meint der Bürgermeister. Kommunalpolitiker Grzeschik hält es sogar für einen „entscheidenden Vorteil“ dass Schwanewede und die Region mit der Atommüll-Entsorgung nichts zu tun haben. „Die Behörde könnte in Schwanewede frei von Zwängen arbeiten, Entscheidungen vorbereiten und treffen.“ 
Mit ihrem Brief an das BfE hat die Gemeinde jetzt den ersten Schritt getan. „Bei so einem großen Konversionsgelände müssen wir nach jedem Strohhalm greifen. Uns soll keiner hinterher nachsagen, wir hätten nicht alles versucht“, sagt Stehnken. Unterstützung erhält die Gemeinde für ihr Anliegen von der Schwaneweder Bundestagsabgeordneten Christina Jantz (SPD). „Ein großes Bundesinstitut in unserer Gemeinde wäre ein Gewinn für alle. Ein Bürostandort ist für Schwanewede eine Chance. Wir haben mit dem frei werdenden Gelände den Platz für die Büroräume“, so Jantz. 
Sie habe sich in dieser Sache schon schriftlich an den BfE-Leiter gewandt. Auch Andreas Mattfeldt, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Verden/Osterholz, würde nach eigenen Worten eine Bewerbung Schwanewedes unterstützen. Für eine Ansiedlung der Behörde auf dem Kasernengelände spreche unter anderem die gute verkehrstechnische Anbindung des Standortes. 
„Bei so einem großen 
Gelände müssen wir nach
jedem Strohhalm greifen.“
Bürgermeister Harald Stehnken

 


Harald Stehnken.FOTO: KOSAK

CDU-Fraktionsvize Ronald Grzeschik (links, mit Fraktionschef Dirk Schlegel) hofft auf Arbeitsplätze. GKE·FOTO: GABRIELA KELLER

Die Gemeinde Schwanewede hat ihr bald frei werdendes Kasernengelände als möglichen zukünftigen Standort für das Bundesamt für kerntechnische Entsorgung ins Gespräch gebracht. GKE·MONTAGE: WESER-KURIER
Die Norddeutsche vom 18.12.2014 und Osterholzer Kreisblatt vom 19.12.2014
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