Der Ministerin Marmeladenbrot angeboten

Elisabeth Heister-Neumann zu Besuch bei der Lebenshilfe in Eitze: Das ist richtig gut hier, ganz toll

Von Anke Landwehr Verden-Eitze. Sie hat das Trichtertelefon ausprobiert und auch den Summstein, hat sich mit der kleinen behinderten Elisa unterhalten, ihren Gastgebern beim Frühstück Tee eingeschenkt und ihnen geduldig zugehört: Beim Besuch der Lebenshilfe in Eitze zeigte sich Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann gestern von ihrer nettesten Seite.

Die Politikerin war auf Einladung des CDU-Bundestagskandidaten Andreas Mattfeldt gekommen. Eingefunden hatten sich außerdem: der CDU-Landtagsabgeordnete Wilhelm Hogrefe, der CDU-Kreisgeschäftsführer Jens Richter, auch Verdens zweiter stellvertretender Bürgermeister, Ratsfrau Anja König aus Eitze und Mattfeldts Wahlkampfmanager Jürgen Weber.



Michael Grashorn wiederum, pädagogischer Leiter der Lebenshilfe im Landkreis Verden, hatte die Leiterinnen der einzelnen Bereiche und Doris Löwe als Kreisvorsitzende des Lebenshilfe-Trägervereins an seiner Seite. Angeführt von Brigitte Bertram, zuständig für die heilpädagogische Kindertagesstätte und den Sprachheilkindergarten, unternahmen die Gäste einen Rundgang durch Haus und Garten.
Die “Schlaufüchse” bastelten gerade ein U-Boot aus Holz und Sektkorken, Heister-Neumann setzte sich kurz dazu. Die “Frösche” genossen ein spätes Frühstück mit selbstgebackenen Brötchen, die Ministerin stibitzte sich eine Gurkenscheibe. Auch die “Mäuse” saßen am Tisch, die kleine Elisa wollte die große Elisabeth von ihrem Marmeladenbrot abbeißen lassen.
So ging’s weiter von Raum zu Raum bis in den Garten, der in drei Jahren unter elterlicher Mithilfe zu einer “Erfahrungswelt” mit lauschigen Nischen und vielfältigen Spielmöglichkeiten geworden ist – Stichwort: “Bildung durch Spielraum”. Am heutigen Sonnabend wird von 14 bis 17 Uhr Einweihung gefeiert. Gäste sind willkommen.
Der Kultusministerin gefiel alles, was sie sah und hörte: “Das ist richtig gut hier, ganz toll!” Und sie freute sich, dass Grashorn und seine Mitarbeiterinnen nicht in den Chor der “Oberjammerer” einfielen, sondern auch sagten, wie sehr sie von der Landesschulbehörde und dem Landkreis Verden unterstützt würden und wie sehr sich der Umgang mit Behinderten geändert habe. “Hier”, zeigte Grashorn auf eine imaginäre Linie, “stand 1988 noch eine Trennwand, die wir nur zu genau festgelegten Zeiten öffnen durften, um Behinderte und Nichtbehinderte zusammenzuführen.” Heute wäre das nicht mehr denkbar, “aber darum mussten wir auch hart kämpfen”. Andere Zeiten, andere Probleme: Weil immer mehr Kinder Defizite unter anderem im Sprachvermögen haben, müsse die Förderung möglichst früh ansetzen, so Grashorn. Dafür brauche es qualifiziertes Personal über alle Disziplinen hinweg schon in der Kinderkrippe. “Was halten Sie von den Sozialassistenten?”, wollte die Ministerin wissen. Auch diese Mitarbeiter müsse man mitnehmen, jeden nach seinen Fähigkeiten. Grashorn: “Meine Bitte an die Politik: Überfordern Sie diese Menschen nicht mit Ansprüchen, die sie nicht erfüllen können.”

Ein weiterer Punkt brannte Grashorn auf den Nägeln: Auch die Lebenshilfe müsse Arbeitskräfte einstellen, die von ihrem Gehalt nicht leben könnten, und das sei nicht gut. “Obwohl sie Positives leisten, gehören sie zu den Verlierern.” Ebenso müssten die Rahmenbedingungen für die Elternarbeit verbessert werden, die wesentliche Voraussetzung für den Erfolg pädagogischen Handelns sei. Doch Gespräche mit orientierungslosen, belasteten Eltern könnten nicht abgerechnet werden.
Ein brandaktuelles Thema brachte die Ministerin selbst auf den Tisch: Im Bereich “Unterstützende Kommunikation” (UK) hält sie, wie die Lebenshilfe, kompatible Software für unbedingt erforderlich. UK meint unter anderem Computerprogramme, mit deren Hilfe Behinderte sich verständlich machen können. Wechseln sie in Schule oder Werkstätten und werden dort andere Programme verwendet, ist es, als würden sie ihre Sprache verlieren. Heister-Neumann: “Das ist schrecklich, das geht nicht.” Sie berichtete von Überlegungen, die Beitragsfreiheit für das dritte Kindergartenjahr zu streichen und lieber in Einrichtungen zu investieren.

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