Deutschland so attraktiv wie lange nicht

Deutschland ist ein beliebtes Zuwanderungsland. Die Zahl der Einwanderungen erreichte 2012 Werte wie zuletzt vor 17 Jahren, im Jahr 1995. Nach Bremen kamen rund 17 Prozent mehr Zuwanderer als im Vorjahr – häufig, um zu arbeiten.
VON TOBIAS LANGENBACH
UND SWANTJE FRIEDRICH

Berlin Bremen. Deutschland ist so attraktiv wie lange nicht mehr. Die Zahl der Zuwanderer ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen; das vermeldete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern. Gut 1,08 Millionen Menschen haben 2012 ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik angemeldet – ähnliche Werte gab es zuletzt im Jahr 1995. Gegenüber 2011 beträgt das Plus 13 Prozent.

Den Angaben zufolge waren rund 966 000 Einwanderer Ausländer, 115 000 Spätaussiedler und deutsche Rückkehrer. Die meisten Menschen kamen aus Polen (176 000), an zweiter Stelle lag Rumänien (116 000), danach folgte Bulgarien (59 000). Auch aus den kriselnden EU-Staaten Süd- und Südosteuropas gab es starken Zuwachs: Einwanderung aus Spanien verzeichnete ein Plus von 45 Prozent, aus Griechenland und Portugal ein Plus von 43 Prozent. Gleichzeitig stieg aber auch die Anzahl der Auswanderer – fünf Prozent mehr als im Vorjahr verzeichnete die Statistik.
„Zuwanderung ist Realität in Deutschland“, kommentierte Stefan Rühl vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Werte. „Die starke Konjunktur, die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt machen Deutschland für viele attraktiv.“ Tatsächlich handelt es sich nach Angaben des Bundesamtes bei den Zuwanderungen häufig um „Erwerbsmigration“ – Leute, die nach Deutschland kamen, um zu arbeiten. Auch viele hier dringend benötigte Fachkräfte waren laut Angaben dabei. Das gilt auch für Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien – Länder, die ansonsten auch häufig mit Armutsmigration in Verbindung gebracht werden. „So einfach ist diese Rechnung nicht“, sagte Rühl. Beliebt ist die Bundesrepublik auch bei denen, die hier ihr Studium abschließen wollen.

Kann die hohe Zuwanderungsrate vielleicht sogar die negativen Folgen des demografischen Wandels aufhalten? Schließlich zieht es immer mehr Menschen in die Städte, ländlichen Regionen droht dagegen massiver Einwohnerverlust. Der CDU-Politiker Andreas Mattfeldt (Langwedel) ist in der Koalitions-Arbeitsgruppe „Ländliche Räume“ im Bundestag vertreten. Seine Einschätzung: Hohe Zuwanderungsraten verlangsame das „Ausbluten“ ländlicher Räume, verhindere sie aber nicht. Denn auch die Zuwanderer ziehe es in die Städte, sagte Mattfeldt.

Das gilt der Statistik zufolge auch für Bremen und Bremerhaven. Im Bundesland Bremen ist die Zahl der Einwanderungen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent gestiegen. 11 602 Menschen zogen im Jahr 2012 aus dem Ausland hierhin, davon waren 10 553 Ausländer. Zieht man davon die Fortzüge ab, ergibt sich ein Wanderungsüberschuss ausländischer Personen von 4551 Menschen.

Mit 1875 Zugezogenen kamen die meisten Menschen aus Polen nach Bremen – das Land liegt damit im Bundestrend. 1559 waren aus Bulgarien. „Die größte Einwanderungswelle aus Rumänien und Bulgarien ist in Bremen anscheinend jedoch erst einmal vorüber – die war im Jahr 2011“, sagte Norbert Piossek vom Statistischen Landesamt Bremen. Piossek gab ebenfalls zu bedenken, dass die Zahlen nichts darüber aussagen, aus welchen Gründen die Zuwanderer kommen.

Chancen durch Zuwanderung sehen Bremer Wirtschaftsvertreter. Auch sie widerlegten das Bild der Armutsmigration aus Ländern wie Rumänien und Bulgarien. „Wir gehen davon aus, dass auch aus diesen Ländern künftig qualifizierte Arbeitskräfte kommen“, sagte Volkmar Herr, Leiter des Geschäftsbereichs Internationales bei der Handelskammer Bremen. Insgesamt betrachte er die Entwicklung der vergangenen Jahre positiv.

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