Ein Freundschaftsspiel – Brasilianischer Politiker zu Besuch in Verden

1Eine deutsch-brasilianische Begegnung außerhalb des Fußballplatzes: An diesem Wochenende habe ich einen Abgeordnetenkollegen aus den südamerikanischen Gefilden in Verden getroffen.  Benito da Gama (Foto), Vorsitzender der brasilianischen Arbeiterpartei Partido Trabalhista Brasileiro (PTB) und Vize-Präsident der Banco do Brasil, war zu Besuch bei der Firma Frerichs Glas, um über mögliche Kooperationen gerade im Bereich regenerativer Energien zu sprechen.

Im Sonnenland Brasilien hat die Photovoltaiktechnologie eine große Zukunft. Natürlich kann dort wetterbedingt mehr Energie durch Solarzellen gewonnen werden als in unseren europäischen Breitengeraden. Aber auch angesichts des schlechteren Netzausbaus hat Photovoltaik Potential. In Brasilien gibt es nur ein kaum ausgebautes Stromnetz. Solarenergie könnte dezentral gewonnen werden – also an Ort und Stelle, wo der Bedarf besteht. Das ist vor allem für kleine Städte und abgelegene Regionen eine Chance, eine netzunabhängige Stromversorgung zu realisieren. Eine Neuentwicklung der Firma Frerichs Glas könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Das Unternehmen von Reinhard Cordes hat Solarmodule entwickelt, die in Fenster eingebaut werden. Der daraus erzeugte Strom kann direkt verwertet werden. Momentan ist angedacht, brasilianische Schulen mit diesen Solarfenstern auszustatten und die Energie für den Betrieb von Klimaanlagen einzusetzen. Im warmen Brasilien können zu Hochzeiten unvorstellbar heiße Temperaturen in Klassenzimmern herrschen. Wissenschaftlich ist nachgewiesen, dass sich das unangenehme Raumklima maßgeblich auf die Konzentrationsfähigkeit der Schüler auswirkt. Durch eine Regulierung der Temperaturen will man also nachhaltig eine bessere Lernumgebung für die Schüler schaffen.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Brasilien und Deutschland waren Kernthema bei der Begegnung mit Benito da Gama. Deutschland ist für Brasilien wichtigster Handelspartner. Das lässt sich beispielsweise gut an bedeutenden Unternehmen wie Siemens oder VW erkennen, die große Auslandsdependancen im mit über 192 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Staat Südamerikas unterhalten. In den vergangenen Jahre hat Brasilien eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Wirtschaft zu verzeichnen und gewinnt auch im internationalen Gefüge an Bedeutung.

Wir haben uns intensiv zu den bestehenden Kooperationen ausgetauscht und waren uns einig, dass der Austausch intensiviert werden sollte. Das gilt sowohl für die beiden Länder im Allgemeinen, als auch für die Kontakte von Vertretern beider Parlamente auf der persönlichen Ebene. Auf Anhieb waren Kollege da Gama und ich uns sehr sympathisch, was natürlich Grundstein für einen offenen und ehrlichen Dialog ist. So blieb der Abhörskandal durch die amerikanischen Geheimdienste ebenso wenig unangesprochen. Auch das brasilianische Staatsoberhaupt ist Opfer von Abhöraktionen geworden. Mein persönlicher Eindruck ist, dass man in Brasilien noch entsetzter ist als hierzulande.  Da Gama und ich sind uns einig: das Verhalten der Amerikaner ist ein absolutes No-Go!

Durch die anstehende Fußballweltmeisterschaft rückt das südamerikanische Land noch von einer anderen Warte aus in den Fokus globaler Interessen. Die Vorbereitungen des sportlichen Großereignisses gehen leider mit sozialen Unruhen einher. Nachvollziehbar, dass die Leute auf die Straße gehen, wenn Stadien gebaut werden, aber keine Gelder für den dringend benötigten Ausbau von Krankenhäusern vorhanden sind. Ungeachtet all der Chancen, die Brasilien durch die Fußballweltmeisterschaft hat: Es ist eine Herausforderung an die brasilianische Politik, im sozialen Bereich etwas zu unternehmen – da gibt es noch einiges zu tun. Das ist mein Eindruck von außen, und auch Benito da Gama hat diese Einschätzung bestätigt.

Neben der Abmachung, weiterhin den deutsch-brasilianischen Dialog auf politischer Ebene zu pflegen, wünschen Benito da Gama und ich uns etwas, für das wir selbst nicht mehr als Daumen drücken können: die WM-Endspiel-Begegnung Deutschland-Brasilien. Natürlich mit einem Sieg für Deutschland, wovon ich den brasilianischen Kollegen allerdings erst noch überzeugen muss.

 

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