Energiewende – Stadtwerke wollen Solarstrom erzeugen

Stadtrat Verden stimmt Beteiligung des Versorgers mit großer Mehrheit zu

Andreas Becker

Verden. Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat Verden, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, einer Beteiligung der Stadtwerke an der Gesellschaft Solarpark Verden zugestimmt. Es gab aber auch einige wenige kritische Stimmen. Geplant ist, dass die Stadtwerke 50 Prozent der Gesellschaftsanteile übernimmt. Die andere Hälfte hält mit Detlef Buschmann ein privater Investor aus Verden. Das Stammkapital beträgt insgesamt 25.000 Euro. Aktuell gehen die Gesellschafter von einer Investitionssumme von zwei Millionen Euro aus, mit denen in Hutbergen eine Photovoltaikanlage gebaut werden soll. „Zwei Millionen sind großzügig gerechnet, eigentlich peilen wir 1,5 bis 1,7 Millionen an, aber die Preise steigen“, sagt Joachim Weiland, Geschäftsführer der Stadtwerke Verden.

Auf dem etwa 24.000 Quadratmeter großen Grundstück in Hutbergen soll nach den Plänen der Gesellschafter eine 1,8 Megawatt-Anlage entstehen. „Das entspricht etwa der Strommenge, die 200 durchschnittliche Dachanlagen erzeugen“, zieht Weiland einen Vergleich. Im Juni wurde die Anlage bereits mit einem Preis für den eingespeisten Strom bei der Bundesnetzagentur angemeldet. „Der Anbieter mit dem niedrigsten Preis pro Kilowattstunde bekommt den Zuschlag“, beschreibt Weiland das Verfahren, das die Bundesnetzagentur dreimal jährlich abhält. Mit diesem Preis können die Betreiber dann die nächsten 20 Jahre kalkulieren. Nach dem Zuschlag hat die Solarpark Verden zwei Jahre lang Zeit, die Anlage zu bauen.

Dazu fehlt aber noch das öffentliche Baugenehmigungsverfahren, das noch nicht abgeschlossen ist. „Die Module müssen wir auch noch kaufen“, sagt Weiland. Es gebe zwar ein vorläufiges Angebot eines Herstellers, aber das sei schon einige Monate alt, und seitdem seien die Preise gestiegen. „Wir müssen abwarten, wie sich das Preisniveau entwickelt.“ Im optimalen Fall rechnet Weiland mit einem Baubeginn noch in diesem Jahr, wahrscheinlicher sei aber 2022. Mit Detlef Buschmann seien die Stadtwerke bereits vor ein paar Jahren ins Gespräch gekommen. „Er hat das Grundstück, das sich gut für einen Solarpark eignet, deshalb haben wir ihm eine Kooperation angeboten“, erzählt der Stadtwerke-Geschäftsführer. Er rechnet mir etwa 15 Jahren, bis sich die Investition amortisiert hat. „Das ist, auch angesichts des Klimawandels, zunächst einmal eine ökologische Rendite“, betont Weiland.

Im Stadtrat erinnerte sich Henning Wittboldt-Müller (FDP) an eine „äußerst zähe Beratung“ im Ortsrat Döhlbergen-Hutbergen zu dem Thema. Er halte den Standort nicht für optimal. Auch Ortsbürgermeister Wolfgang Hammer beschrieb die Debatte im Ortsrat als „kontrovers“. Zurzeit werde das Gelände vom benachbarten Sportverein als Parkfläche

genutzt, außerdem diene es als Platz für das Osterfeuer. Aus seiner Sicht, so Hammer, hätte die Gesellschaft auch eine andere Fläche finden können.

Wolf Hertz-Kleptow (CDU) argumentierte hingegen, es sei wichtig für die Stadtwerke, sich für die Zukunft gut aufzustellen. Durch den Solarpark werde viel Kohlendioxid vermieden, das sonst das Klima schädigen würde. Auch Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) betonte die Bedeutung des Projekts für das Klima. Zudem sei der Solarpark die einzige Möglichkeit regenerativer Stromerzeugung in Stadtnähe. Und Carsten Hauschild (SPD) betonte, ein Solarpark mache die Energiewende für die Bürger sichtbar.

Die Ankündigung von Bundesregierung und Deutscher Bahn über zusätzliche Investitionen für Lärmschutz im Zuge des Schienenausbaus Verden-Rotenburg hat der Stadtrat Verden überwiegend positiv aufgenommen. Wie berichtet, investieren Bund und Bahn zusätzlich zum gesetzlichen Standard 193,4 Millionen Euro in den Schutz vor zusätzlichem Lärmschutz und andere bauliche Projekte. Zum Ende der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments am Dienstagabend berichtete Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) über das Ergebnis der Gespräche in Berlin.

Bei seinen Ausführungen zum Bahnausbau bezeichnete Brockmann es zwar als „Enttäuschung“, dass der Bund keine zusätzlichen Mittel für beantragte Infrastrukturprojekte in der Region bereitstelle, andererseits habe Verden aber viel erreicht. „Teilweise ist die Einigung mit der Investitionssumme ein großer Erfolg“, kommentierte Brockmann das Ergebnis. Es sei „eine Erleichterung“, dass der Schutz vor Bahnlärm in der Stadt realisiert werde. Auch andere Mitglieder des Stadtrats bezeichneten das Ergebnis der Verhandlungen als „positive Nachricht“. An diesem Mittwoch hat der Verkehrsausschuss des Bundestages seine Beratungen zu dem Thema aufgenommen. Auch der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt bezeichnete das Ergebnis als Erfolg für die Region. „Das ist schon ein ziemlich großer Schluck aus der Pulle“, sagte er. Andere Regionen hätten bei vergleichbaren Ausbauprojekten der Bahn weniger Geld erhalten.

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