„Es gibt keine vergleichbaren Projekte“

VON LUTZ RODE

Landkreis Osterholz. Mit 50 000 Euro hat das Bundesfamilienministerium das Musterhaus zum Wohnen mit Zukunft in Osterholz-Scharmbeck unterstützt. Daher wundert es nicht, wenn jemand aus Berlin auch mal nachschauen möchte, was mit dem Geld eigentlich passiert ist. Staatssekretär Lutz Stroppe ließ sich jetzt durch das Haus aus den 60er Jahren führen, das aufzeigen soll, wie sich Wohngebäude altersgerecht umbauen lassen. „Dieses Haus ist einmalig. Es gibt keine vergleichbaren Projekte in Deutschland“, sagte Stroppe. Er hoffe, dass dieses Modellprojekt möglichst viele Nachahmer finde.
Stroppe war nicht allein unterwegs. Mit ihm – schließlich ist ja Wahlkampf – drehten Andreas Mattfeldt (CDU) und Herbert Behrens (Die Linke) ihre Runde durchs Haus neben dem Parkplatz der Kreissparkasse an der Bahnhofstraße. Von Projektleiterin Andrea Köhler ließen sie sich unter anderem zeigen, wie Räume barrierefrei umgebaut worden sind und welche technischen Hilfsmittel es gibt, die ein möglichst langes Wohnen zu Hause ermöglichen sollen.
Kreissparkassen-Vorstand Werner Hampel und Ulrich Messerschmidt erläuterten, warum sie das Haus und zusätzlich 20 000 Euro für den Umbau zum Modellprojekt beigesteuert haben. Die Erste Kreisrätin Heike Schumacher berichtete, dass das Haus seit der Eröffnung gut angenommen werde. „Es ist ja unser Ziel, das Haus mit Leben zu füllen. Das ist bisher sehr gut gelungen“, sagte Schumacher.
Staatssekretär Lutz Stroppe weiß, dass zur Gestaltung des demografischen Wandels noch einiges getan werden muss. Altengerechtes Wohnen ist da nur ein Thema, ein anderes ist, wie die Pflege von alten Menschen künftig organisiert und bezahlt werden kann. Zu klären ist da offenbar auch, was unter Pflegebedürftigkeit und ihre einzelnen Stufen eigentlich genau zu verstehen ist. Den Bericht einer Sachverständigenkommission dazu habe das Ministerium erst einmal als noch nicht ausgereift zurückgewiesen.
„Der demografische Wandel muss einem nicht Angst machen. Er bietet auch Chancen“, ist Lutz Stroppe bei allen Schwierigkeiten überzeugt. Der Bund unterstützt über die Handwerkskammern zum Beispiel ein Qualifizierungsprogramm für Handwerksbetriebe, die sich im Bereich altersgerechtes Bauen weiterbilden und dafür mit einem Gütesiegel ausgestattet werden. In der Region, das hatte der Staatssekretär vor seinem Besuch recherchiert, gibt es bisher keinen Betrieb mit einem solchen Siegel.
Im Bundesfamilienministerium denkt man aber auch über die Zukunft der Mehrgenerationenhäuser nach, deren Förderung Ende 2014 ausläuft. Staatssekretär Stroppe diskutiert in seinem Haus derzeit über die Idee, die Mehrgenerationenhäuser ab 2015 zu „sorgenden Gemeinschaften“ auszubauen, die als Anlaufpunkte für Senioren dienen und wo Ehrenamtliche all das tun, was früher unter dem Begriff Nachbarschaftshilfe lief. Dabei ist angedacht, diese Einrichtungen dauerhaft durch den Bund zu fördern.
Die Erste Kreisrätin Heike Schumacher hörte das gerne: Sie machte auf das Problem aufmerksam, dass viele Modellprojekte angeschoben würden und die Kommunen nach Ablauf der Förderung vor dem Problem stünden, die Arbeit alleine weiter zu finanzieren. „Die Kommunen können da aber nicht in die Bresche springen“, sagte Schumacher.
„Es ist ja unser Ziel,
das Haus mit Leben
zu füllen.“
Heike Schumacher

Der Staatssekretär des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Lutz Stroppe (links), besichtigt das altengerecht umgebaute Musterhaus zum Wohnen mit Zukunft. Mit dabei Andreas Mattfeldt, Herbert Behrens, Andrea Köhler und Werner Hampel. FOTO: LUTZ RODE

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