Fünf Millionen Euro für weniger Lärm

VON BRIGITTE LANGE
Ritterhude. Gut fünf Millionen Euro hat sich der Bund den Lärmschutz für Ritterhude kosten lassen. Allein die 3383 Meter Lärmschutzwand an der Bahnstrecke Bremen – Bremerhaven in Ritterhude haben 4,9 Millionen Euro verschlungen, berichtete gestern Ulrich Bischoping bei der Feierstunde zur Fertigstellung der Maßnahme am Ritterhuder Bahnhof. Für zusätzlichen Schutz wie schalldämmende Fenster und Lüfter an Gebäuden rechnet der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn mit Ausgaben von 100 000 Euro.
„Bis 2020 wollen wir den Eisenbahnlärm um zehn Dezibel reduzieren“, teilte er den Gästen aus Politik, Verwaltung, Nachbarschaft und Baubranche mit. Das sei etwa die Hälfte des heute wahrgenommen Bahnlärms. Es sei gut, dass der Bund dafür Geld zur Verfügung stelle. „130 Millionen Euro sind es zurzeit im Jahr“, so Bischoping. 
Lange hätten die Ritterhuder um ihren Anteil an diesem Lärmschutz gekämpft, sagte Bürgermeisterin Susanne Geils. Darum, auf der Prioritätenliste des 1999 aufgelegten Lärmsanierungsprogramms des Bundes nach oben zu wandern. Mit Erfolg: „Sonst wären wir erst 2020 dran gewesen“, vermutete sie und betonte: „Dies ist heute ein besonderer Tag.“ 
Enak Ferlemann (CDU), parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, bestätigte, dass sich die Ritterhuder die Baumaßnahme über viele Jahre gewünscht hätten. „Es ist eine relativ viel befahrene Strecke – mit vielen Güterzügen.“ Und es würden noch mehr. „Bis 2030 wird sich die Zahl der Güterzüge verdoppeln – auch hier“, sagte Ferlemann.
Es werde eine belastete Strecke bleiben; die Lärmschutzwand in Ritterhude mache absolut Sinn. In Bremen und Bremerhaven seien sie mit dem Bau der Wände bereits fertig; aus Ritterhude würden die Fachfirmen Ende Juni abrücken. Als nächstes komme 2016 Osterholz-Scharmbeck an die Reihe, ein Jahr danach die Samtgemeinde Hambergen. „Ich denke, Ende dieses Jahrzehnts werden wir an dieser Strecke mit dem Lärmschutz durch sein“, gab Ferlemann das Tempo vor. 
Wie Bischoping verwies der Staatssekretär auf die Pläne, bis 2020 den Bahnlärm deutlich zu reduzieren. Dies sei allerdings nicht allein durch Baumaßnahmen zu erreichen. Ein weiteres Ziel der Bahn sei es, den Fuhrpark des Konzerns bis zum Ende dieses Jahrzehnts umzurüsten. Nur noch lärmgedämmte Züge wolle die Deutsche Bahn dann auf die Schienen schicken. Der beste Lärm sei schließlich der, der gar nicht erst entstehe, so Ferlemann. Entsprechend sei dies vom Bund „gut angelegtes Geld“. 
Der Hinweis auf die steigende Zahl an Güterzügen ließ Susanne Geils aufhorchen: „Ich bin gespannt, was passiert, wenn sich der Güterzugverkehr verdoppelt. Bekommen wir dann eine Brücke?“ Oder werde Ritterhude im Chaos versinken? Der Verkehr müsse doch fließen. Fragen, auf die sie gestern keine offizielle Antworte erhielt. Nur den Tipp, dass entsprechende Antrags- und Genehmigungsverfahren aufgrund der zahlreich beteiligten staatlichen Stellen sehr frühzeitig angeschoben werden müssten. 
Kritik am Förderschlüssel
In die Freude über die überstandene Baumaßnahme – die vor allem nachts und an den Wochenenden für zusätzlichen Lärm entlang der Strecke gesorgt hatte – mischten zwei Gäste allerdings Wermutstropfen. Ratsmitglied Jörn Rürup (Die Grünen) nutzte das Treffen, um festzustellen, dass Lärm nicht nur eine Frage der Lautstärke, sondern auch der Häufigkeit sei. Er hielt den Gastgebern vor, dass wohl bereits 2016 die Zahl der Güterzüge wegen des Ausbaus der Strecke Bremen-Bremerhaven um 40 Prozent steigen werde – und nicht erst 2030. Eine Aussage, die unkommentiert blieb. 
Christopher Schulze, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Herbert Behrens (Die Linke), kritisierte seinerseits den Schlüssel, nach dem die Fördermittel des Bundes für die Lärmsanierung entlang bestehender Strecken vergeben werden. Die Scharmbeckstoteler bekämen beispielsweise keine Lärmschutzwand, weil zu wenige Menschen an der Bahntrasse wohnten. Und auch das Wohngebiet Zur Wienbeck in der Kreisstadt sei durchs Raster gefallen, weil es nach dem 1. April 1974 geplant wurde. „Hier muss nachgebessert werden“, sagte Schulze. Alle Häuser – auch die nach 1974 gebauten – müssten ins Förderprogramm aufgenommen werden. Das Geld dafür sei da, behauptete er: „Zwischen 2005 und 2014 sind 155 Millionen Euro Fördermittel für die Lärmsanierung ungenutzt verfallen.“ 

 


Zum Einheben des letzten Lärmschutzwand-Elements griffen (v. r.) Ulrich Bischoping, Andreas Mattfeldt (CDU-Bundestagsabgeordneter), Susanne Geils und Christina Jantz (SPD-Bundestagsabgeordnete) mit Unterstützung von Bauleiter Thorsten König zu Schutzhelm und Warnweste. FOTO: TEL
Osterholzer Kreisblatt vom 12.05.2015
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