Gastbeitrag von PPP-Stipendiat Niklas Krug

PPP Krug-AM NiklasAm 12. August 2015 begann das wahrscheinlich größte Abenteuer meines Lebens. Mein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten von Amerika als junger Botschafter für Deutschland begann. 

Früh morgens ging es von Bremen über Frankfurt mit dem Endziel Chicago los. Der Flieger war gefüllt mit zig anderen Austauschschülern, die alle den Flug ins Ungewisse antraten.

Davor standen jedoch noch einige andere Hürden an, die zu überwinden waren: Meine erfolgreiche Bewerbung für das Parlamentarische Patenschafts Programm des Deutschen Bundestages und ein unglaublicher „Formularkrieg“, durch den mich die internationale Austauschorganisation AFS begleitete.

Vergleichsweise wusste ich schon ziemlich gut, was mich in den USA erwarten würde. Die Information über meine Gastfamilie, die Gastschule und wo genau ich landen werde, erhielt ich schon relativ früh. Das Endziel der Reise war das Herz der Großstadtmetropole Chicago…PPP Krug-Niklas Theater

Ich hatte die Möglichkeit meine Gastfamilie schon vor meiner Ankunft etwas besser kennenzulernen, da mein Gastvater sich beruflich in Deutschland aufhielt und uns ein Wochenende besucht hatte. Mit ihm besuchten wir unter anderem Bremen und das Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, in dem er besonders an einem Kahn namens „Karl“ aus dem Jahre 875 interessiert war. Ein weiteres Highlight für ihn war das Schwimmen in der Weser, da dort auch der „Karl“ im Jahre 875 einmal geschwommen ist. Gleichzeitig gab er mir auch eine Art Bedienungsanweisung für seine Frau, seine Kinder und das Leben bei ihm zu Hause in Chicago. Beispielsweise erfuhr ich, dass ich als ältester Sohn in der Familie das „Ältestenrecht“ haben werde oder dass ich das gesamte Jahr die Verantwortung über die Spülmaschine und die Ordnung in der Küche hatte. So hatte ich schon ansatzweise eine Idee, was mich erwarten wird.

Mit meiner Gastmutter Julia, meinem Gastvater Michael, meinen beiden Gastbrüdern Simon (14) und Peter (12) lebte ich auf der südlichen Seite der Stadt Chicago in unmittelbarer Nähe des Geländes der University of Chicago.

Meine Gastmutter arbeitet als Musiklehrerin für kleine Kinder. Mein Gastvater ist Professor an der University of Chicago für mittelalterliche Geschichte. Er spricht perfekt Deutsch, Französisch und diverse weitere Sprachen. Wegen seines außergewöhnlichen Themenfeldes ist er des öfteren zu Forschungs- und Studienzwecken auf Reisen in der ganzen Welt. Bis nach meiner Ankunft hielt er sich in Deutschland auf, zwischenzeitlich war er auf einer Frankreich-Italien-Schweiz-Spanien Tour und gegen Ende meines Jahres war er in Taipei, um dort Studenten zu unterrichten.

In der großzügigen Wohnung durfte ich mein eigenes Zimmer bewohnen. Auch zwei Katzen und ein kleiner Hund waren in der Wohnung im dritten Stock zu Hause.

Direkt nachdem mich meine Gastmutter und mein kleinerer Gasbruder Peter von der ersten Orientation nach meiner Ankunft in Chicago abholte, begann für mich nach 48h Reise- und Orientierungszeit in den Staaten ohne erholsame Schlafunterbrechung das High-School Leben in den Staaten. Am nächsten Morgen um 6 Uhr, hatte ich eine Startzeit für die „try outs“ für das Schul-Golfteam. So lernte ich schon in den ersten Tagen der noch anhaltenden Sommerferien einige Leute aus der Schule kennen. Unter ca. 20 Teilnehmern konnte ich den 8. Platz erringen und damit gerade noch die Aufnahme in das Schulgolfteam schaffen. Diese beiden Tage legten die Grundlage für eine tolle Golf Saison mit dem Schulteam.

Mit meiner Schule hatte ich wirklich einen Volltreffer gelandet. Sie gehört in den Rankings zu den Top 10 der öffentlichen amerikanischen High Schools. Mit circa 800 anderen Schülern durfte ich ein Jahr lang in einer tollen Schule lernen.

Das war für mich nicht immer einfach. Akademisch wurde auch von mir als Austauschschüler jede Menge erwartet. Mit dem ersten Schultag erwarteten mich einige sehr anspruchsvolle Kurse, wie unter anderem „Advanced Placement Chemistry“. Dieser Kurs bereitet alle Schüler auf den so genannten „Advanced Placed Chemistry Test“ vor, der national in der gesamten USA von Schülern im High School Alter geschrieben werden kann. Gute Ergebnisse snd später im College anrechenbar. In einer normalen Woche mussten wir uns selbstverantwortlich ein 30-40 Seiten Kapitel erarbeiten und ein umfangreiches Experiment im Labor durchführen. Am Ende jeder Woche wurde das Wissen des Buchkapitels mit einem Test überprüft und der Laborbericht musste abgegeben werden. Der Test brachte mich einige Male bis an den „Rand der Verzweiflung“. Am Ende des ersten Semesters hatten wir das gesamte Buch von ca. 1200 Seiten bearbeitet. Im zweiten Halbjahr wurden hauptsächlich Übungsarbeiten für die abschließende Klausur im April geschrieben um den gesamten gelernten Stoff zu wiederholen und zu festigen. Letztendlich haben sich die zahlreichen schlaflosen Nächte und der hohe Aufwand ausgezahlt, denn wie ich erfuhr, bin ich unter den besten 10% aller amerikanischen Teilnehmer gelandet und habe ein tolles Ergebnis erzielt. So sollte mir der Chemie Leistungskurs für das Abitur im jetzt folgenden Jahr etwas leichter von der Hand gehen…

Stunden wie „African American Literature“, „Contemporary American History“, „Precalculus“ oder „Photography“ standen neben der Chemie auf meinem Stundenplan. Besonders in der Geschichtsklasse, in der wir hauptsächlich den Kalten Krieg behandelten, und bei der Afroamerikanische Literatur habe ich einige neue Eindrücke, Gedanken und Ansichten auch aus anderen Perspektiven kennengelernt. Einmal hörten wir sogar den Song von Nena „99 Luftballons“, welcher aus der Zeit des kalten Krieges stammt.

Als Arbeitsplatz diente mir mein Zimmer in der Wohnung, manchmal das nahegelegene Starbucks Café (wegen der besseren Internetverbindung) und oft auch die Universitätsbibliothek der University of Chicago. Dafür hatte mir mein Gastvater Michael einen Ausweis organisiert, sodass ich unbeschränkten Zugang zu der Bibliothek hatte.

Sportlich gesehen habe ich neben dem Golfsport auch noch einige andere Möglichkeiten genutzt. Die fest im Schulalltag eingebunden Sportarten sind saisonal verteilt. In der Herbstsaison spielte ich Golf in der Schulmannschaft. In dieser Zeit hatten wir wöchentlich Spiele gegen andere Schulen der Stadt Chicago. Gegen Ende des Herbstes standen die City Championchips an, in denen sich unser Team nach einen paar super Runden den Titel sichern konnte:PPP Krug-Mannschaft Pokal

In der folgenden Winter- und Frühlingssaison fand ich mich nach erfolgreichen try-outs im Schwimmteam wieder. Täglich trainierten wir zwei Stunden im Schwimmbecken einer Partnerschule, das im siebten Stock mitten in Downtown Chicago – unmittelbar an einer Haltestelle auf meinem Heimweg mit der Bahn- zu finden ist. Oft zwei Mal wöchentlich stand ein Workout morgens vor der Schule im Kraftraum mit dem gesamten Team an.

Im Sommer zog es mich noch einmal ins Wasser, um Wasserball zu spielen. Hier gab es auch ein Mädchenteam, das sehr lieb war. Das Lernen dieser neuen Sportart brachte mir eine Menge Spaß.

Da ich als Juniorbotschafter mit einem PPP-Stipendium aus Deutschland in die USA kam, beschloss ich, das deutsche Konsulat in Chicago zu besuchen und mich dort dem deutschen Konsul vorzustellen. Sehr viel Spaß hat es mir auch gemacht, einige Vorträge über Deutschland und mein Auslandsjahr vorzubereiten. Ein weiteres Highlight war das Event „Chicago Youth Talks“, bei dem ich vor einem breiten Publikum als Gastsprecher über meine Erlebnisse als Austauschschüler berichten durfte. Für einige Lacher haben unter anderem einige Erlebnisse mit den verschiedenen Bedeutungen einiger Wörter im britischen und amerikanischen Englisch gesorgt. Zum Beispiel bedeutet das Wort „rubber“ im britischen Englisch Radiergummi. Im Amerikanischen hingegen steht das Wort umgangssprachlich für ein Kondom. Wenn man dann im Unterricht nichtsahnend mal nach einem „rubber“ fragt, kann das durchaus schon mal sehr lustig und amüsant für alle Beteiligten sein.

Neben all dem Schulstress blieb aber auch noch genügend Zeit die Großstadt und das Leben dort zu genießen. Neben Barbeque Partys oder Meetings mit den anderen Austauschschülern verbrachte ich viel Zeit mit meinen amerikanischen Freunden.

Im Sommer habe ich die Stadt mit dem Rad erkundet. Entlang des Michigansees gibt es wundervolle Radwege, auch das Fahren mit dem Rad auf den Hauptachsen in Downtown Chicago kann sehr abenteuerlich sein. An einen Tag legte ich mit einer Freundin circa 71km zurück und merkte erst einmal, wie groß die Stadt Chicago tatsächlich ist. Verloren gehen kann man fast nicht, da die Orientierung durch den Lake Michigan sehr einfach ist. Der Michigansee ist immer im Osten. Dann bewegt man sich entweder vom See weg in westliche Richtung, nach Norden oder nach Süden. Zusätzlich dazu sind alle Straßen in einem Schachbrettmuster angeordnet. PPP Krug-Skyline

Besonders in den letzten Wochen der Schule und meines Austauschjahres haben meine Freunde und ich fast jeden Tag am Strand verbracht. Ein besonderer Platz war für mich der „Oak Street Beach“, welcher sich direkt im Herzen der Stadt befand. Der Stand war zu Fuß innerhalb von fünf Minuten von unserer Schule erreichbar. Das Schwimmen mit dem direkten Blick auf die Skyline von Chicago wird mir mit Sicherheit in Erinnerung bleiben.

PPP- Krug-PromGegen Ende des Schuljahres, fand der große Abschlussball, auch Prom genannt, in einem riesigen Ballsaal eines Hotels statt. Alle waren sehr schick angezogen und es herrschte eine außergewöhn-liche Stimmung, ein weiterer unvergesslicher Höhepunkt.

Neben Chicago durfte ich auch noch einige andere schöne Orte in den Vereinigten Staaten kennenlernen. Auf einem echten amerikanischen Roadtrip legte ich mit meinen deutschen Eltern, die zu Besuch waren, mehr als 1600 km zurück und besuchten unter anderem Memphis und New Orleans. In unserer Woche Frühlingsferien machten mein Gastbruder Simon und ich San Francisco in Kalifornien unsicher. Sehr interessant und beeindruckend war für mich das Silicon Valley wo sich unter anderem die Google Hauptzentrale, „der Google-Plex“, oder die Weltuniversität Stanford befindet. PPP Krug-Niklas Google

Die Stadt Chicago und einige seiner Ecken habe ich immer wieder erkundet. Auffallend und erstaunlich war, dass es an fast jeder Ecke einen Sandwich-Store, Starbucks, Dunkin Dounuts oder ein anderes Schnellrestaurant zu finden war. Allgemein waren Lebensmittel und auch die Sandwiches, die es überall und in jeder erdenklichen Variation zu kaufen gab, verglichen zu deutschen Standards sehr teuer. Dies schien aber auch den allgemeinen Lifestyle in der Großstadt widerzuspiegeln. 

Im August, am Anfang meines Jahres als Austauschschüler in den USA, hatte ich die Illusion, dass ein Jahr unendlich lang ist und es niemals vorübergehen wird. Besonders in den letzten Wochen wurde ich aber eines Besseren belehrt. Ich konnte gar nicht nachvollziehen, wo die elf Monate dahingegangen sind, das Jahr ist leider viel zu schnell vorbei gewesen. Alle neuen Bekanntschaften, Freunde und Erfahrungen würde ich aber auf keinen Fall missen wollen. Mein Austauschjahr war für mich ein voller Erfolg und am liebsten wäre ich gleich noch ein Jahr dortgeblieben. Ich freue mich jetzt schon, wenn ich wieder an den Michigansee in meine zweite Heimat zurückkehren darf. 

Besonders dankbar bin ich meiner sehr netten Gastfamilie, die mich im Familienleben komplett ehrenamtlich als dritten Sohn aufgenommen haben und außergewöhnlich viel für mich getan hat.

Zum Sommerende werde ich meinen Gastvater wieder in Deutschland treffen. Ich hoffe, dass dieser Kontakt bestehen bleibt.PPP Krug Flagge Wasser

Gleichermaßen bin ich meinem Paten, dem Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt, der mich aus den vielen Bewerbern ausgewählt hat und dem Deutschen Bundestag, der mein Stipendium finanziert hat, sehr dankbar.

Ebenfalls möchte ich mich bei AFS bedanken. AFS hat mit Hilfe von vielen ehrenamtlichen Helfern in Deutschland und in den USA mein Austauschjahr perfekt organisiert.

Niklas Krug

x

Wir verwenden Cookies, um Ihnen die beste Online-Erfahrung zu bieten. Mit Ihrer Zustimmung akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies in Übereinstimmung mit unseren Cookie-Richtlinien.

Einverstanden Ablehnen Datenschutz-Einstellungen