Interesse an Europapolitik hält sich in Grenzen

Verden (zan). Vier blaue und weiße Topfblumen zieren die Tischreihe im Klassenraum der Berufsbildenden Schule (BBS) in Dauelsen an diesem Donnerstagmorgen. Den Schülern zugewandt sitzt ein Bundestagsabgeordneter aus der Region, der Rede und Antwort zum Thema Europawahl stehen soll. Diese wird in diesem Jahr am 25. Mai stattfinden.
Andreas Mattfeldt (CDU), Christina Jantz (SPD) und Herbert Behrens (Linke) beantworten die Fragen der Schüler in jeweils zwei Schulstunden. Gerade hat es zur zweiten Stunde geläutet, und Behrens sitzt vor den jungen Leuten, die sich dicht an dicht in den Reihen drängen.

Nachdem der Abgeordnete seine Standpunkte dargelegt hat, sind die Schüler an der Reihe, ihre Fragen zur Europapolitik zu stellen. Doch es bleibt so mucksmäuschenstill, dass man einen Euro fallen hören könnte. Dann „opfert“ sich schließlich der stellvertretende Schulleiter Reinhard Witt und stellt wieder eine Frage.

Europa, das ist für viele Schüler offenbar zu abstrakt. „Ich gehe nicht zur Wahl“, traut sich eine blonde Schülerin mit eckiger schwarzer Brille zu sagen und spricht vielen damit aus dem Herzen. „Ich weiß davon nichts und verstehe davon nichts, darum gehe ich auch nicht hin“, sagt die Schülerin. „Wer von euch geht denn überhaupt im Mai wählen?“, fragt Behrens. Vereinzelt und zögerlich gehen einige wenige Hände nach oben. An der Europawahl 2009 haben sich nur 43 Prozent der Deutschen beteiligt. „Die Reisefreiheit in Europa ist für die jungen Leute selbstverständlich, und sie kennen zum Glück keinen Krieg. Diese Sicherheit weiß man als junger Mensch nicht zu schätzen“, sagt Andreas Mattfeldt.

Christina Jantz, die in den ersten beiden Schulstunden mit Schülern an der BBS sprach, bemerkt, dass Europa für die jungen Menschen selbstverständlich sei: „Es wird deutlich, dass die EU für Schüler transparenter werden muss, dass sie aber insgesamt für die meisten etwas sehr Positives ist“, sagt sie.

Fragen zu Europa haben die Schüler im Gespräch mit Behrens nicht viele. Dafür kommen sie aber bei den bundesdeutschen Themen wie Mindestlohn oder der Situation der Hebammen in Fahrt. Eine Schülerin fragt, warum viele Menschen, die ein Leben lang gearbeitet hätten, von ihrer Rente nicht leben könnten, und Behrens erklärt die Position seiner Partei dazu. Europa scheint in weiter Ferne.

aus Verdener Nachrichten vom 28.03.2014

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