Lederhosen vergeblich gesucht

US-Schülerin zu Gast im Landkreis


Von Christian Valek Landkreis Osterholz. Bei ihrer Ankunft in Deutschland erlebte Carinne Maraville eine Überraschung. “Ich habe gedacht, dass Lederhosen in ganz Deutschland typisch sind”, erzählt die 17-jährige Texanerin. Heute weiß sie, dass “Krachlederne” und kariertes Hemd in vielen Teilen der Republik weniger gefragt sind. Am Montag besuchte die Austauschschülerin die örtliche Geschäftsstelle der Christlich Demokratischen Union (CDU), um dem Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt von ihren Eindrücken zu erzählen. 
Wenn Carinne über deutsche Gebäude spricht, gerät sie schnell ins Schwärmen. Kathedralen und Kirchen, die 1000 Jahre alt sind, und hundertjährige Ortschaften mit einem gewachsenen Stadtbild bringen sie in Verzückung. “Meinen Heimatort The Colony gibt es erst seit etwa 40 Jahren. Hier gibt es so viel mehr Geschichte”, sagt die Schülerin des Gymnasiums Osterholz-Scharmbeck. Deutschland sei einzigartig. 

Im August ist die Amerikanerin mit dem Parlamentarischen Partnerschaftprogramm (PPP) nach Deutschland gekommen. Etwa 300 junge Menschen aus den USA und der Bundesrepublik wechseln jedes Jahr mit dem Projekt ihr jeweiliges Heimatland, um Auslandserfahrungen zu sammeln. Der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt fühlt sich als Pate dem deutsch-amerikanischen Austauschprojekt, seinen Teilnehmern und der Völkerverständigung verpflichtet. “Es geht darum, die innigen Beziehungen zu den USA zu festigen und jungen Menschen eine Perspektive aufzuzeigen”, so der Politiker.
Für Mitte Mai sind Carinne und ihre Ritterhuder Gastfamilie von Mattfeldt in den Bundestag nach Berlin eingeladen. Für die Schülerin ist der Hauptstadt-Besuch ein Höhepunkt ihres Aufenthaltes. Ihr Deutschland-Besuch sei aufregend. Ihr sind zahlreiche kulturelle Unterschiede aufgefallen. “Freunde zu finden, ist hier ein wenig schwieriger als zu Hause”, findet die Elftklässlerin. Viele Deutsche seien vergleichsweise zurückhaltend. Der Schulunterricht in Deutschland gefällt ihr. Er sei etwas anspruchsvoller als in den Staaten. “Es ist hier irgendwie so akademisch.” Und Schwarzbrot sowie das Kaffeetrinken am Nachmittag hat sie ebenfalls liebgewonnen. Ein Gänsebraten mit Kartoffelklößen mit Rotkohl, wie es ihn zu Weihnachten gibt, sei ihr neues Leibgericht, sagt sie.
Im Juni wird Carinne in die USA zurückkehren. Der Abschied dürfte ihr schwerfallen. Und wie geht es danach weiter? “Das weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall möchte ich die Deutschkenntnisse nutzten.”

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 12.01.2011 



 

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