Motivationstraining beim politischen Aschermittwoch der Kreis-CDU

Kohl mit Big Mac

“Weil man aus seinem Namen ja was machen muss”, hat Clemens Große Macke den seinen ins Englische übersetzt: Big Mac. Erster Lacher für den Landtagsabgeordneten, der am Dienstagabend beim politischen Aschermittwoch der Kreisverdener Christdemokraten in die Bütt stieg und am Ende tosenden Beifall bekam. Vorher gab’s im Dauelser Gasthaus Früchtnicht traditionell Grünkohl satt.

Von Anke Landwehr Verden. Wie es in Verden um die Gleichberechtigung bestellt ist? Große Macke hat 100 vor dem Dom zusammengetrommelte Männer gefragt, wer bei ihnen zu Hause die Hosen anhabe. Die Frau? Dann bitte nach links treten. Rechts steht nachher nur einer – “so ein kleiner Fiedi”, der nix kapiert hat: “Mien Fro hett seggt, stell di dor hen.” Große Macke lebt in Addrup im Landkreis Cloppenburg. Dort ist er geboren, dort hat er eine Kindheit “wie im Paradies” verbracht. Nun ja, mit einer kleinen Einschränkung: “Ich habe fünf Schwestern, das war ein bisschen schwierig”, sagt er, plinkert mit den Augen und erzählt, dass er drei Söhne hat.

Addrup jedenfalls hat 400 Einwohner und drei Kneipen, die ihr Überleben den Männern verdanken. Wenn die sich regelmäßig einen antüdeln, “ist das für einen guten Zweck, für unser Dorf”, sagt Große Macke. “Da musst du durchziehen, da kannst du nicht schlappmachen.” In seinem Fall führte das außerdem direktemang ins Leineschloss. “Einer von uns muss in den Landtag”, befand die Thekenrunde eines Abends. “Und weil ich den kleinsten Hof hatte, sollte ich das sein.” 2003 fuhr der einer Pferdehändler-Dynastie entstammende Katholik 76 Prozent der Erststimmen in seinem Wahlkreis ein. 2008 waren es 70 Prozent – immer noch das beste Direktwahlergebnis in Niedersachsen.

Je länger Große Macke in freier Rede kalauert und zensurverdächtige Witze einflicht, desto mehr kommt er in Fahrt. “Wähle, wolle, verantworte”, ruft er in den proppevollen Saal und geißelt mal eben die, “die jeden Tag Chicken Nuggets essen wollen, aber gegen große Ställe und Schlachtanlagen sind. Glauben die denn, dass Hähnchen Suizid machen?” Große Macke könnte auch den Kaffeefahrten-Verkäufer geben oder den Motivationstrainer. Wie zu deren Hochzeiten Ulrich Strunz die Menschheit in Ameisen und Adler einteilte, so tut es auch der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und fügt als dritte Gruppe die Enten hinzu. “Das sind die, die immer nur quaken und hinterher alles besser wissen.” Der deutsche Adler jedoch ist flügellahm: “Wenn der Beute schlagen will, stellt er einen Antrag mit vier Durchschlägen und wundert sich, wenn sie dann weg ist.” Große Macke fragt sich, wo die soziale Wärme in Deutschland geblieben ist, “wo der Mut zur Veränderung?” Und, als hätte er ein Seminar von Emil “Tschaka!” Ratelbrand besucht: “Morgen kann sich dein Leben ändern, du musst es nur wollen.”
Wolken, Wind&Wogen tritt auf.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt will “Seitensprünge” hören, doch die Shantys singen lieber von Matrosen und klingenden Klampfen. Refrain: “Was kann das Leben Schön’res uns geben, wir wollen CDU-ler sein.” Mattfeldt stößt auf Bundeskanzlerin Merkel an: “Was diese Frau leistet, ist phänomenal.” “Bravo”, ruft eine Frau, das Publikum will gar nicht mehr aufhören mit Klatschen. So enthusiastisch ist schon Heinrich Klopp begrüßt worden, der im vergangenen September gescheiterte Bürgermeisterkandidat der Verdener CDU. Das Thema Wulff wird weitestgehend ausgeklammert, lieber erzählt Landtagsabgeordneter Wilhelm Hogrefe, wie der frühere Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) Parteifreunde auf Staatskosten eingeladen hat.

Der Tischnachbar zur Rechten genießt die Pinkel zum Kohl. Sie schmeckt ihm fast so gut wie die in Oldenburg, wo er herstammt. “Die wird mit Graupen gemacht, von uns wegen ihrer Form Kälberzähne genannt.” Keine Graupen in der Verdener Pinkelwurst. “Wir nehmen Hafergrütze”, sagt Schlachtermeister Jörn Gerwinat.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 23.02.2012

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