Nach Übernahme der RWE Dea: Politiker und Bürger besorgt

VON MICHAEL KERZEL
Langwedel. Große Sorge um die Versorgungssicherheit habe er, sagt Andreas Mattfeldt mit Blick auf den Verkauf von RWE Dea: „Ich halte es für komplett falsch, dass die RWE Dea de facto an den größten russischen Oligarchen verkauft wird“, meint der Kreisverdener CDU-Bundestagsabgeordnete. Aufgrund der prekären Sicherheitslage zwischen der Ukraine und Russland hätte die Übernahme verhindert werden müssen, sagt Mattfeldt. Zur Not hätte es einen Gerichtsprozess geben sollen, meint er. „Wir sprechen Sanktionen aus, Landwirte dürfen keine Lebensmittel nach Russland verkaufen. Wir sind da sehr restriktiv. Aber so einen Milliardendeal winken wir einfach durch“ ärgert sich Mattfeldt. Er habe Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) klar gesagt, dass es ohne Wenn und Aber falsch sei, den Deal zu erlauben. „Das kann man den Leuten doch nicht erklären“, sagt Mattfeldt.

RWE Dea fördert Erdgas, unter anderem in Langwedel-Völkersen. Der neue Eigentümer des Unternehmens, das künftig DEA Deutsche Erdoel AG heißt, ist der private Investmentfonds „Letter One“ mit Sitz in Luxemburg.„Mit DEA haben wir ein Unternehmen übernommen, das über eine lange Geschichte technischer Exzellenz, herausragender Managementleistungen, eine internationale Ausrichtung und großes Potenzial verfügt”, sagt Lord John Browne, der neue Aufsichtsratsvorsitzende von DEA. DEA passe hervorragend in die Investitionsstrategie. Mitglied des Aufsichtsrates ist unter anderem der Russe Mikhail Fridman.

„Ich war in Luxemburg. Dort hat das Unternehmen ein Büro, mehr aber nicht“, sagt Mattfeldt. Jeder müsse sich im Klaren sein, dass die RWE Dea nun in russischer Hand sei. Und besonders groß sei sein Vertrauen in russische Unternehmen nicht. Es würde ihn auch nicht wundern, wenn Teile des Unternehmens auf russisches Gebiet verlegt würden.

Nach Angaben des Pressesprechers der RWE Dea, Derek Mösche, bleibe das Unternehmen auch nach dem jüngsten Eigentümerwechsel ein deutsches Unternehmen. „Das Unternehmen bleibt deutsch und hält sich auch zukünftig an deutsches Recht“, sagt er. Auch werde sich die Dea an die aktuellen Vereinbarungen – so wird seit 2011 freiwillig nicht gefrackt – halten. In Deutschland seien Transparenz und die Einbindung der Bürger vor Ort sehr wichtig. „Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung sehr ernst. Das operative Geschäft bleibt in unserer Hand“, sagt Mösche.

Das bezweifelt Andreas Mattfeldt. „Wer das Geld gibt, will auch bestimmen, welches Lied gesungen wird“, sagt der Abgeordnete. Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt (SPD) geht hingegen davon aus, dass sich zunächst nicht viel ändern wird. „Wir erwarten, dass die Sicherheitsstandards auf hohem Niveau weiterentwickelt werden“, sagt er. Zudem solle der Austausch mit den zuständigen Personen bei dem Erdgasunternehmen und der Politik weitergehen. „Es gab im Vorfeld bereits viele Gespräche mit der RWE Dea. Überraschend kommt die Übernahme nicht“, erklärt Brandt.
Der Bürgermeister geht nicht davon aus, dass der neue Eigentümer mit Hilfe der Fracking-Technologie in der Region Erdgas fördern werde. Auch könne er sich nicht vorstellen, dass zukünftig im Wasserschutzgebiet Panzenberg das hochgiftige Lagerstättenwasser verpresst wird. Rein rechtlich ist das dem Unternehmen erlaubt. „Aber das wäre der Öffentlichkeit nicht vermittelbar“, sagt Brandt.

Gerd Landzettel, Sprecher der Bürgerinitiative „No Fracking“ in Völkersen und Ratsherr in Langwedel, ist besorgt: „Dem international agierenden Investmentfonds geht es nur ums Geld. Und wenn es wirtschaftlich ist, in Panzenberg Lagerstättenwasser zu verpressen, werden die das auch machen.“ Ein Eigentümer ohne regionale Bindung könne seine Interessen rigoroser durchsetzen, meint Landzettel. Absehbar sei jedoch nicht, wie sich der neue Eigentümer verhalten werde.

Derek Mösche spricht von einem neuen Wind. „Die Belegschaft hat die Übernahme positiv aufgenommen. Es herrscht Aufbruchstimmung“, berichtet er.

aus Achimer Kurier vom 04.03.2015

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