Nicht alle feiern mit

Andreas Mattfeldt (CDU) kritisiert Willkommensveranstaltungen für Flüchtlinge

VON ANNA ZACHARIAS

Verden.

In Verden engagieren sich viele Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge, eine offizielle Willkommensveranstaltung hat es bis jetzt in der Stadt aber noch nicht gegeben. Das soll sich am kommenden Sonnabend, 3. Oktober, mit der Veranstaltung „Herzlich welcome“ von 10 bis 18 Uhr auf dem Rathausplatz ändern. Die Veranstalter wollen damit Begegnung und Integration fördern – aber die Aktion stößt nicht überall auf Zuspruch. Der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt (CDU) äußert sich kritisch und unterstützt derartige Veranstaltungen explizit nicht.

Die Bürgerinitiative „Verden hilft“ zählt inzwischen knapp 300 Mitglieder in ihrem Facebook-Auftritt. Gegründet wurde sie von Toni Hackenberger, um eine Anlaufstelle für all diejenigen zu schaffen, die Flüchtlinge in Verden unterstützen wollen. Catherine Lohmann, die aus Kirchlinteln stammt und in Stuttgart studiert, hatte die Idee für eine Willkommensfeier und stellte dies in der Gruppe zur Diskussion. „Nachdem Flüchtlinge im Grünen Jäger untergebracht wurden, hatte ich beobachtet, dass es dazu zum Teil sehr grenzwertige Kommentare gab. In den Nachbargemeinden hatte es zudem schon Willkommensveranstaltungen gegeben, aber in Verden noch nicht“, sagt sie.

Die Resonanz war groß, und es fand sich ein Team von 50 bis 60 Leuten, das ein Programm mit Livemusik zusammenstellte, Bürgermeister Lutz Brockmann als Schirmherrn gewann und weitere Aktionen für den Tag plante.

Keinen Zuspruch findet die Veranstaltung bei Andreas Mattfeldt. „Wer Willkommensfeste feiert, muss auch für Wohnraum sorgen. Mit derartigen Bildern senden wir die Einladung, nach Deutschland zu kommen“, sagte der CDU-Politiker gegenüber unserer Zeitung.

Er bekomme pro Tag mehr als 100 E-Mails von Menschen aus seinem Wahlkreis Verden-Osterholz, die zu einem Großteil Angst hätten und sagten, man könne die Situation nicht mehr bewältigen. Es gebe auch unterschwellig die Befürchtung, es könne künftig zu Überfällen und Einbrüchen kommen, wenn Flüchtlinge hier lange Zeit in Arbeitslosigkeit leben müssten.

„Wenn die ersten Turnhallen schließen und Kinder dort keinen Sport mehr machen können, wird die Stimmung kippen“, prophezeit Mattfeldt. Die Gesellschaft sei derzeit gespalten in diejenigen, die eine euphorische Willkommenskultur lebten auf der einen und das rechtsextreme Lager auf der anderen Seite – es fehle die Mitte. Da der Winter vor der Tür steht und die Menschen möglicherweise bald bei Minusgraden in Zelten schlafen müssten, sei die Wohnraumsuche jetzt wichtiger als Begegnungsfeiern.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Jantz teilt die Kritik ihres CDU-Kollegen nicht. „Ich finde das Quatsch und ich glaube nicht, dass durch ein Willkommensfest Anreize zur Einreise geschaffen werden – das passiert an anderer Stelle“, sagt sie. Das Problem der „Wirtschaftsflucht“ müsse man auf einer anderen Ebene mit einem neuen Einwanderungsgesetz bekämpfen, anstatt ehrenamtliches Engagement im Keim zu ersticken.

Initiatorin Catherine Lohmann empfindet Mattfeldts Aussage als „sehr unglücklich“. Für sie ist die Begegnungsfeier in Verden ein Forum zur Kontaktaufnahme und der Integration. Die Einladungen wurden mit Hilfe der Caritas und des Landkreises übermittelt, einige Flüchtlinge beteiligten sich bereits an der Organisation. Am Sonnabend werden das Jugendblasorchester der Verdener Musikschule, die Band der Lebenshilfe sowie eine afrikanische Band spielen, außerdem gibt es Aktionen für Kinder und eine Hüpfburg.

Weil sich die Bürgerinitiative weiterhin engagieren möchte, soll ein Verein zur Unterstützung von Flüchtlingen mit Sprachunterricht, Hilfe bei Behördengängen oder Kinderbetreuung gegründet werden. Die Gründungsversammlung ist am Freitag, 2. Oktober, um 18.30 Uhr im Jugendzentrum an der Lindhooper Straße in Verden.

Verden – Stadt und Land und Achimer Kurier vom 30.09.2015

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