Schenkelbrand ist keine Tierquälerei

Gestern habe ich eine Informationsveranstaltung in einem Reitstall im Berliner Grunewald besucht. Eingeladen hatte unter anderem der Hannoveranerverband, der seinen Sitz in Verden hat. Wir Abgeordneten sollten uns ein Bild davon machen können, wie harmlos das Anbringen eines Brandzeichens zur Kennzeichnung von Pferden ist.

Hintergrund ist eine Kampagne von vermeintlichen Tierschützern, die den Schenkelbrand verbieten lassen wollen. Der Bundesrat hat die Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner aufgefordert, den Schenkelbrand als Kennzeichnung zu verbieten. Ich halte das für grundlegend falsch. Ich wusste, bevor ich zu dieser Veranstaltung kam, nicht was die Anbringung des Brandzeichens für ein Fohlen bedeutet. Bei der gestrigen Demonstration ist mir klar geworden, dass es für ein Fohlen weitaus dramatischere Erlebnisse gibt, als das einen Bruchteil einer Sekunde dauernde Anhalten des Brenneisens. Drei Fohlen wurden auf diese Weise gekennzeichnet. Lediglich eines davon stieg nach dem Kennzeichnen kurz hoch um dann aber auch gleich wieder bei der Mutter zu trinken – was im Übrigen alle Fohlen unmittelbar nach dem Brand getan haben und was ein deutliches Zeichen für ein Wohlbefinden der Tiere ist. Dieses Fohlen war allerdings ohnehin von allen Fohlen das Aktivste und ist auch vor- und hinterher beim Herumführen in der Halle temperamentvoller umhergesprungen als die anderen Fohlen. Ansonsten hat mich vor allem beeindruckt, dass die Stuten völlig ruhig und gelassen waren. Wenn sie das Brennen als Gefahr für ihren Nachwuchs ansehen würden, hätten sie alles dafür getan um das vermeintliche Leid von ihren Fohlen abzuwenden. Ich hatte den Eindruck, dass die Fohlen das Anbringen des Brandzeichens kaum gespürt haben. Beim Chippen waren die Reaktionen schon wesentlich stärker.

Ich kann beim besten Willen beim Schenkelbrand keinerlei Tierquälerei erkennen. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die Züchter, die ihre Tiere über alles lieben – mit einigen von ihnen habe ich am Rande der Veranstaltung gesprochen – ihnen Leid antun würden. Im Gegenteil, eben weil sie Leid von den Pferden fernhalten wollen, stehen sie dem Chippen kritisch gegenüber. Der Chip wird in den Muskel eingesetzt und kann beim Wachsen im Körper des Pferdes wandern und erhebliche Schmerzen und Folgeerkrankungen hervorrufen. Das halte ich noch viel eher für Tierquälerei als den Milli-Sekunden dauernden Brand.

Enttäuscht war ich von meinen Kollegen der Opposition, die den Schenkelbrand verbieten lassen wollen. Bis auf einen Kollegen von der SPD war niemand gekommen. Das zeigt doch wieder einmal mehr, dass es hier nicht um eine sachliche Auseinandersetzung geht. Es geht hier nicht mehr um Fakten, sondern darum, ein Thema hochzuziehen und aus falsch verstandenem Tierschutzgedanken heraus, Politik auf Kosten der Pferdezüchter zu machen.

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