Schüler sollen auch den Zeitgeist aufspüren

CDU-Kreistagfraktion besucht Cato-Archiv im Gymnasium / Offizielle Eröffnung vor den Sommerferien

Von Ulrich Tatje Achim. Während Kommunalpolitiker noch über die Idee nachdenken, ein Zentrum für Regionalgeschichte im Landkreis aufzubauen, ist das Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium schon einen Schritt weiter. Die Achimer Schule ist dabei, ein Archiv einzurichten, in dessen Mittelpunkt zwar die Namensgeberin der Schule steht, die im Alter von 22 Jahren von den Nazis hingerichtet wurde, das sich aber auch sowohl mit der Weimarer Zeit als auch mit dem Nachkriegsdeutschland beschäftigt.

Noch vor den Osterferien, sagte Schulleiter Stefan Krolle in einem Gespräch mit Mitgliedern der CDU-Kreistagsfraktion, solle das Archiv offiziell eröffnet werden. Dann werden den Schülern drei klimatisierte Räume mit einer Gesamtfläche von 180 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Unterstützt wurde die Schule auch von Wabe (Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage), das 4000 Euro zur Anschaffung unter anderem von Bilderrahmen überwies.

Im Zentrum des Archivs steht der Nachlass der Familie Bontjes van Beek aus Fischerhude. Die 1920 geborene Cato Bontjes van Beek gehörte dem Widerstand (Rote Kapelle) an, sie war beteiligt am Drucken und am Verteilen von Schriften und Flugblättern, die zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufriefen.

 

Im September 1942 wurde sie verhaftet, am 5. August 1943 wurde sie hingerichtet. Dass das Todesurteil erst 1999 aufgehoben und Cato Bontjes van Beek offiziell rehabilitiert wurde, war für den Kreistagsabgeordneten Axel Rott neu. Er sei erschüttert, dass die Bundesrepublik dafür 55 Jahre gebraucht habe. Und das vermutlich auch nur, weil Catos Mutter jahrelang dafür gekämpft und geklagt hatte, wie Schulleiter Krolle berichtete.

Das Archiv wolle kein Konkurrent zu anderen Einrichtungen sein, betonte Krolle, sondern biete (beispielsweise auch anderen Schulen) seine Kooperation an. Schüler könnten neue Archivalien für andere Einrichtungen vorsortieren, bot der Schulleiter an. Die Schüler sollen mit dem Cato-Archiv die Möglichkeit haben, “einen konzentrierten Blick auf die Geschichte zu werfen, sich kritisch damit zu befassen und einen ordentlichen Umgang mit Fakten und Quellen lernen”, formulierte Krolle die Ziele. Vor allem im Seminarfach, in dem die Facharbeiten geschrieben werden, hofft der Schulleiter auf einen regen Umgang mit dem Archiv und auf neue Erkenntnisse. Wobei Krolle großen Wert darauf legt, dass der Zeitgeist erfasst und verstanden wird.
Die Fakten und Umstände müssten gleichzeitig so dargestellt werden, dass sie “aushaltbar” sind, wie Krolle sich ausdrückte, dass auch jüngere Schüler sich damit befassen könnten, ohne nachts davon zu träumen.

Die Christdemokraten freute zu hören, dass sich das Achimer Gymnasium nicht nur mit der Zeit des Nationalsozialismus befassen will, sondern auch mit der Weimarer Republik und mit dem Nachkriegsdeutschland. Das passe gut zu der Idee, in einem fraktionsübergreifenden Antrag die Einrichtung einer zentralen Erinnerungs- und Bildungsstätte für die Erforschung und Vermittlung der Regionalgeschichte des 20. Jahrhunderts einzurichten. Wie Wilhelm Hogrefe, Vorsitzender des Kreisschulausschusses und der Fraktion, bei dem Besuch in der Schule am Mittwoch erläuterte, habe sich die Didaktik im Geschichtsunterricht dahingehend geändert, dass Schüler mehr und mehr den Umgang mit historischen Quellen und weniger aus Büchern lernen. Der Landtagsabgeordnete möchte in diesem Zusammenhang auch anregen, dass sich junge Menschen durch das Befragen von Zeitzeugen mit Geschichte befassen und über diese Quellen etwas über Denkweisen und Motive der Eltern- und Großelterngeneration erfahren. “Auch künftige Schülergenerationen”, so Hogrefe, “sollen motiviert werden, diese Aufgabe der selbsttätigen Erarbeitung immer wieder neu zu tun.” Adrian Moor, einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, bestätigte Hogrefes Ansatz. Er habe vieles vergessen, was er im Geschichtsunterricht gelernt habe. An den Brief seines Großvaters hingegen, der später aufgetaucht ist und in dem dieser seine persönlichen Kriegseindrücke geschildert habe, erinnere er sich noch sehr gut.

Er begrüße das Angebot des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums, sagte Fraktionsgeschäftsführer Jens Richter und gab damit die Stimmung seiner Parteifreunde wieder. Ob das Cato-Archiv in Achim das beabsichtigte zentrale Archiv wird, müsse noch besprochen werden, sagte Wilhelm Hogrefe, der in diesem Zusammenhang auch die Arbeit von Geschichtswerkstatt und Heimatverein Achim lobte.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 18.02.2012

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