Schulstunde mit Politiker

Antworten auf Fragen zur Eurokrise
VON UNDINE ZEIDLER

Lilienthal. Warum in der Europäischen Währungsunion Griechenland das größte Schuldenproblem hat, warum dem Land Geld allein nicht hilft und ob der Kapitalismus vielleicht ausgedient hat – das und vieles mehr diskutierten im Forum ihrer Schule rund 180 Schüler des Gymnasium Lilienthal mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt und dem jungen Politologen Andreas Heydt von der Uni Bremen. Laut Antje Schloen, Fachbereichsleiterin Politik/Wirtschaft am Gymnasium, verließen die Schüler die Veranstaltung nach zwei Unterrichtsstunden zum Thema Eurokrise mit dem Gefühl, „wirklich ernst genommen“ zu werden.

Im zehnten Jahrgang steht im Fach Wirtschaft die Europäische Währungsunion auf dem Stundenplan. Da fügte es sich gut, dass der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt der Schule vorgeschlagen hatte, anlässlich des Europa-Projekttages nach Lilienthal zu kommen. Dass der Nachmittag zur Eurokrise für die Lilienthaler Gymnasiasten mehr war als eine Pflichtveranstaltung, zeigten sie mit vielen Fragen, Nachfragen und kontroversen Standpunkten, die sie in der Diskussion vertraten. Antje Schloen bescheinigt ihren Schülern: „Sie waren richtig gut vorbereitet.“ Zudem saßen zahlreiche Elft- und Zwölftklässler im Forum, obwohl deren Schultag schon zu Ende war. „Das treibt sie wirklich um, weil sie sich Sorgen machen und Antworten suchen.“

Aus volkswirtschaftlicher Sicht erläuterte Andreas Heydt von der Uni Bremen die Griechenland-Frage. Antworten aus politischer Sicht gab Andreas Mattfeldt. Beide zeigten auf: „Das ist keine Eurokrise sondern eine Refinanzierungskrise der Schulden.“ Mattfeldt erklärte zudem, warum Griechenland am Euro teilnehmen durfte, „obwohl bekannt war, dass die Bilanzen geschönt waren“. Der Politiker sprach von politischen und geostrategischen Gründen. Und: „Schulden haben ja alle.“ Doch verhindern nach seinen Worten in Irland, Spanien oder Portugal andere Strukturen ähnliche Probleme wie die in Griechenland.

Gelegentlich hätten aus Schloens Sicht die Antworten des Bundestagsabgeordneten genauer sein können. Etwa, als es darum ging, wie dem verschuldeten Griechenland tatsächlich geholfen werde könne. Doch Politik funktioniert eben nicht wie Mathematik, weiß sie, und so viel wurde nach ihren Worten deutlich: „Die Strukturen müssen verändert werden.“

Die Schüler spannen den Gedanken weiter, berichtet Schloen: Wachstum in Griechenland – ja. Unterstützung – ja. Aber nicht schuldenfinanziert! „Wie dann“, fragten sie und waren sich einig: „Das geht nicht, dass Griechenland totgespart wird.“ Irgendwann stand auch die Frage im Raum: „Ist das nicht letztendlich ein Versagen des Kapitalismus?“

Mögen in diesen 90 Minuten zur EU-Währungsunion auch nicht alle Fragen bis ins letzte Detail geklärt worden sein, so lobt Lehrerin Antje Schloen doch: „Das war eine informative Veranstaltung, die das politische Interesse der Jugendlichen fördert.“ Andreas Mattfeldt und Andreas Heydt ergänzten sich nach ihren Worten „geradezu harmonisch“. Die Fachgebietsleiterin Politik/Wirtschaft kann sich weitere Veranstaltung dieser Art denn auch gut vorstellen – mit Andreas Mattfeldt ebenso wie mit anderen Politikern und jungen Wissenschaftlern von der Uni Bremen.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 21.05.2012

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