Sommerreihe “Den Reichstag entdecken” – Teil 3

2012 07 26 Reichstag 007Station 3: Die Graffiti der sowjetischen Soldaten

Auf dem Weg von meinem Büro im Paul-Löbe-Haus rüber in den Plenarsaal, wenn es dort beispielsweise an eine Abstimmung geht, passiere ich die Flure des Reichstages, die ein besonderes Zeugnis der deutschen Geschichte in sich tragen. An den Wänden der Seitenfoyers sind Wandbeschriftungen, sogenannte Graffiti, zu sehen. Sie sind in kyrillischer Schrift, mit Kohle oder –seltener- mit Kreide aufgebracht und stammen von den sowjetischen Soldaten, die im Rahmen der Kämpfe um Berlin und den Reichstag im April und Mai 1945 ihre Spuren hinterlassen haben. Grüße an die Heimat, Unterschriften und Dienstgrade sowie Siegesparolen lassen sich dort lesen. Durch Normen Foster beim Umbau erhalten und zu ihrem Schutz konserviert, sind die Beschriftungen nun eine Art Tagebuch aus 1945 und machen Geschichte greifbar für jeden Besucher.

Und dass Geschichte nichts Vergangenes ist, sondern ihre Wellen bis in die Gegenwart schlägt, sieht man zum Beispiel an dieser Anekdote: Veteranentreffen 60 Jahre nach Kriegsende. Ein Mann erkennt seine Inschrift und erklärt sichtlich gerührt, dass er mit vielem gerechnet habe, aber nicht damit, seinen Namen nach all den Jahren noch an einer Wand im Reichstag stehen zu sehen. Nicht zuletzt deshalb ist es so wichtig, dass der Reichstag offen ist für interessierte Besucher. Denn wie die Giebelinschrift über dem Haupteingangsportal sagt, das Gebäude gehört „dem deutschen Volke“. In der nächsten Folge schauen wir dort daher auch noch einmal genauer hin.

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