Steigende Zahl an Zügen treibt Politiker um

CDU-Abgeordnete ermutigen kommunale Volksvertreter, sich für Bau von Bahnüberführungen stark zu machen
Von Brigitte Lange
Hambergen. Im gefühlten Minutentakt schließen und öffnen sich die Schranken am Bahnübergang Oldenbüttel in der Samtgemeinde Hambergen. „Etwa 100 Züge kreuzen hier täglich; bald sollen es 150 sein und in zehn bis 20 Jahren liegen wir bei 200 Zügen“, berichtet Reiner Katz dem CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt und der CDU-Landtagsabgeordneten Astrid Vockert. Die Zahlen hatte der CDU-Samtgemeindeverbandsvorsitzende bei einem Mitarbeiter der Bahn erfragt. Sein Parteikollege Arend Wehmann, Fraktionsvorsitzender im Rat der Gemeinde Hambergen, hatte die Abgeordneten zum Ortstermin gebeten, um über den Bau einer Bahnüberführung zu sprechen. 
Zusammen mit Katz sowie dem Fraktionsvorsitzenden der CDU im Samtgemeinderat, Dieter Langmaack, und CDU-Gemeinderatsmitglied Barbara von Rönn schildert Wehmann die Lage. Für die Hamberger ist die Situation untragbar. Der Ortsteil Kiebitzsegen sei quasi abgeschnitten. Sorgen bereiten den Kommunalpolitikern vor allem Notfälle. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Rettungswagen dann vor geschlossenen Schranken stehen“, sagt Wehmann. Katz hat errechnet, dass sie schon heute – bei einer Schließungsdauer von vier bis fünf Minuten pro Zug – fast 70 Prozent des Tages unten seien. Bei 150 Zügen steigere sich das auf bis zu 80 Prozent. 
Mattfeldt und Vockert teilen die Sorge der Kommunalpolitiker. Die meisten Bahnunfälle gingen zudem auf technisches oder menschliches Versagen an solchen Bahnübergängen zurück, verweist der Bundestagsabgeordnete auf eine Untersuchung. Diese Erkenntnis habe vor Jahren dazu geführt, dass mehr und mehr höhengleiche Bahnübergänge zu Über- oder Unterführungen umgebaut wurden. Der Landkreis Osterholz hinke da anderen Kommunen hinterher, meint er. 
Vockert nickt: „Ich habe im März die Bürgermeister in meinen Wahlkreisen angeschrieben und gefragt, wer bereits Anträge für eine Überführung gestellt hat.“ Sie bedauere, berichten zu müssen, dass der einzige Bürgermeister, der sich bislang nicht zurückgemeldet habe, der der Samtgemeinde Hambergen sei. „Die Bürgermeister sind in ihrem Tagesgeschäft gefangen“, mutmaßt Mattfeldt. Schon vor vier Jahren sei er wegen des Bahnübergangs in Oldenbüttel gewesen: „Leider hat sich seitdem nichts geändert.“ 
Die beiden Abgeordneten begrüßen die Initiative der CDU. „Manchmal kann solch ein kleiner Anstoß einiges bewegen“, sagt Mattfeldt. Er und Vockert bestärken die Hamberger darin, aktiv zu werden. Sie müssten einen Antrag auf Bau einer Bahnüberführung in den Samtgemeinderat einbringen. Dieser müsse einen entsprechenden Entschluss fassen und sich damit an den Landkreis wenden. Der würde sich mit der Deutschen Bahn und dem Bund ins Benehmen setzen, erklärt Mattfeldt. Was die Kosten betrifft, müssten Bahn, Bund und Kreis sie zu gleichen Teilen tragen, da die Oldenbütteler Straße eine Kreisstraße ist. 
„Die Zeit für einen solchen Antrag war nie so günstig wie jetzt“, sagt Mattfeldt mit Blick auf die Finanzen des Bundes. Auch der Landkreis habe erstmals seit Jahren einen ausgeglichenen Haushalt. „Da sollte man jetzt vielleicht den Mut haben, diese Aufgabe anzugehen“, findet er. 
Auch handele es sich um Projekte, die nicht von heute auf morgen realisiert würden. Mattfeldt verweist auf Erfahrungen aus seiner Zeit als Bürgermeister von Langwedel. Damals habe es acht Jahre gedauert, bis er dort die Bahnüberführung einweihen konnte. „Und das war schnell.“ Um so wichtiger sei es, das Thema zügig anzugehen, es auf den Weg zu bringen, findet Wehmann. 
Und noch ein Aspekt drängt die Hamberger CDU-Mitglieder zur Eile. Innerhalb des Landkreises gibt es weitere höhengleiche Bahnübergänge an Kreisstraßen – neben Oldenbüttel sind dies Lübberstedt und die Bremer Straße in Osterholz-Scharmbeck. Drei Übergänge, bei denen sich der Landkreis an den Kosten für einen Umbau beteiligen müsste. Hohe Kosten. Mattfeldt meint sich zu erinnern, dass die Überführung in seiner Bürgermeistergemeinde gut 3,5 Millionen Euro gekostet hat. „Deshalb versuche ich ja auch, dieses Projekt seit ewig und drei Tagen anzuschieben – damit Hambergen hier die Nase vorn hat“, stellt Wehmann fest. 
Wie immer steckt der Teufel jedoch im Detail. „Die nächste Sitzung des Samtgemeinderats ist im Herbst“, bemerkt Dieter Langmaack. Erst dann könne der Antrag vorgebracht werden. Daher rät Andreas Mattfeldt den Kommunalpolitikern, für dieses Thema eine Extra-Ratssitzung zu beantragen. Und noch einen Tipp gibt er ihnen: „Wenn man mit einem solch großen Konzern wie der Deutschen Bahn verhandelt, ist es ganz wichtig, mit einer Stimme zu sprechen.“
Zugverkehr in Zahlen
n Angaben über die Zahl der Züge, die zwischen Bremen und Bremerhaven täglich fahren, variieren stark. So wurde beim Umbau des Bahnhofs Oldenbüttel vor zwei Jahren von 200 Zügen täglich gesprochen. Bei der Einweihung der Lärmschutzwand in Ritterhude hieß es, es führen 140 Züge und bei Andreas Mattfeldts Besuch in Hambergen wird nun eine Zahl von 100 Zügen genannt. Die Redaktion fragte daher bei der Deutschen Bahn nach und die zählte. Ergebnis: Täglich sind circa 85 Personenzüge und bis zu 115 Güterzüge auf der Strecke Bremen-Bremerhaven unterwegs. Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst weist allerdings nachdrücklich darauf hin, dass diese Zahl Schwankungen unterliegt. (TEL)

Arend Wehmann (v.l.) hatte mit Dieter Langmaack, Barbara von Rönn und (Zweiter von rechts) Reiner Katz die Landtagsabgeordnete Astrid Vockert und den Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt (beide CDU) eingeladen, um den Bahnübergang Oldenbüttel zu reden. FOTO: TEL
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