Stromautobahn ohne Abfahrt

Seit einem Jahr sammeln Mitarbeiter des Netzbetreibers Tennet Informationen und Ideen von Bürgern in der Region zu möglichen Verläufen der Stromtrasse. Bei einer Veranstaltung im Verdener Niedersachsenhof am Freitag stellte sich Tennet-Chef Lex Hartman den Fragen und Anmerkungen von rund 200 Teilnehmern.

VON MICHAEL KERZEL
Verden. Von einer Stromautobahn von Nord nach Süd ohne Abfahrt spricht der Chef des Netzbetreibers Tennet, Lex Hartman. Die Suedlink-Trasse soll Strom von den Windkraftanlagen im Norden Deutschlands in den Süden bringen. Dabei wird sie möglicherweise durch den Landkreis Verden laufen. „Noch steht nicht fest, wo die Trasse gebaut wird. Es gibt verschiedene Alternativen“, sagte Hartman bei einer Informationsveranstaltung im Niedersachsenhof zu der rund 200 Bürger kamen.

Die Bürger der betroffenen Regionen seien aufgerufen, Vorschläge zu machen. „Von den 1700 Ideen, die bisher gekommen sind, haben wir rund 90 Prozent einbezogen“, berichtete Hartman. Einige Vorschläge seien jedoch absolut unmöglich. „Ein Bürger forderte, die Trasse durch Holland zu bauen. Aber das machen wir nicht“, sagte der Niederländer Hartman, und sorgte damit für einige Lacher bei den Teilnehmern.

Ernster wurde Hartman, nachdem Vertreter des Waldkindergartens in Kirchlinteln ihre Sorgen unterbreiteten. „Unsere beiden Standorte liegen in dem Korridor, wo eventuell die Trasse gebaut wird“, sagte eine Sprecherin. „Wenn die Stromleitungen hier gebaut werden, ist die Existenz des Kindergartens bedroht“, sagte die Sprecherin. Hartman erklärte, dass überall dort, wo Menschen leben, die Stromkabel ins Erdreich gelegt werden. „Wir bauen keine Stromkabel über einen Kindergarten“, versicherte er. Auch werde in keinem Garten ein Strommast stehen, fügte er hinzu. Der Abstand der Leitungen betrage zu Ortschaften mindestens 400 und zu einzelnen Häusern mindestens 200 Meter. „Dort geht das Kabel in Boden“, versicherte Hartman.

Für einen Trassenverlauf entlang der B 3 und der A 7 plädierte der Kreisverdener Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt (CDU). Dafür sei es notwendig, dass die Stromtrasse über den Randbereich des Truppenübungsplatzes Bergen führe. Der Truppenübungsplatz dürfe dabei nicht ausgenommen werde. Das habe er in Gesprächen mit den Bundesministern Ursula von der Leyen (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) unterstrichen, sagte Mattfeldt. Auch Wilhelm Hogrefe setzt sich für diesen Verlauf ein. „Es ist auch ein wichtiges psychologisches Zeichen von Seiten des Bundes, die bundeseigenen Flächen zur Verfügung zu stellen“, meinte der Verdener CDU-Fraktionsvorsitzende.

Der Landvolkvorsitzende Jörn Ehlers betonte, dass er vom Bund erwarte, dass dieser vorangehe. „Wir Landwirte sind sehr stark betroffen, die Begeisterung für die Stromtrasse hält sich sehr in Grenzen“, sagte Ehlers. Auch die Erdverkabelung sei keine Lösung, da eine Bewirtschaftung über den Erdkabeln schwierig sei. In den vergangenen Jahrzehnten hätten die Landwirte bereits 4 000 Hektar und damit acht Prozent ihrer Nutzungsfläche verloren. Auch Enteignungen von Flächen waren Thema bei der Informationsveranstaltung. „Die Hürden für Enteignungsverfahren in Deutschland sind sehr hoch. Mir scheint diese Option doch sehr theoretisch zu sein“, meinte Mattfeldt.

Über den Verlauf entscheidet letztlich die Bundesnetzagentur. „Wir bereiten einen Antrag mit mehreren Alternativen vor“, sagte Hartman. Die Netzagentur prüfe diese und weise Tennet dann an, einige der Vorschläge detailliert zu untersuchen. Erst im Anschluss daran entscheide sich, wo die Stromtrasse entlang läuft. Dafür gibt die Netzagentur einen Korridor von 500 bis 1000 Meter vor. In diesem Korridor verlaufen dann die Erdkabel und stehen die Masten. „Jeder Bürger kann seine Meinung und Ideen noch einbringen“, betonte Hartman.

aus Verdener Nachrichten vom 10.11.2014

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