Ein Abend im Rampenlicht

Der Ortsverband des Technischen Hilfswerks besteht 60 Jahre. Bei einer Feierstunde im Kreishaus nutzte er den Gelegenheit, sich ins Rampenlicht zu stellen.

 VON PETER VON DÖLLEN
Osterholz-Scharmbeck. Der Wunsch klingt schizophren und unangebracht – aber verständlich. „Wir sind eine Einsatztruppe. Da wünschen wir uns auch Einsätze“, sagte Bernd Schumacher. Alle im Kreishaus wissen, wie es gemeint ist. „Eigentlich sollte sich keiner einen Ernstfall wünschen“, fügte der Vorsitzende des Ortsverbandes Osterholz des Technischen Hilfswerk (THW) trotzdem an. Wer sich ständig für den Ernstfall rüstet, will sich auch bewähren. Die Alarmierung beim Brand der ehemaligen Gaststätte Circus-Circus in Ritterhude war etwas Besonderes, gab Schumacher zu.
Die Feier zum 60. Gründungstag offenbarte: Das THW ist eine ehrenamtliche Hilfsorganisation, die in Deutschland häufig im Schatten von Feuerwehren, Deutschem Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen von der Öffentlichkeit unbeachtet agiert. „Gesundheit ist etwas, das man nicht bemerkt“, stellte Landrat Dr. Jörg Mielke fest. So ähnlich gehe es den Mitgliedern des THW. Er sei froh, im Landkreis eine so bemerkenswerte Truppe zu haben, auf die er im Ernstfall als Landrat zurückgreifen könne.
Der Ortsverband hatte die Feierstunde am Freitag genutzt, um sich für einen Augenblick in das Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stellen. Sie waren mit einer Kolonne blauer Einsatzfahrzeuge angerückt, hatten das Kreishaus mit Scheinwerfern, Absperrband, Warnschildern und Warnblinklampen zum Einsatzort gemacht. Im Saal erwartete die Gäste das Percussionensemble der Kreismusikschule „Trick Stick“, das die Feier würde- und schwungvoll einrahmte. Über 90 Menschen waren gekommen, um die Leistungen der blauen Helfer zu würdigen. Darunter auch viele Ehrengäste aus Politik und Vertreter der Hilfsorganisationen, mit denen das THW zusammenarbeitet. Hier müssen sich die Helfer in Blau den Kollegen im Bekanntheitsgrad hinten anstellen. Im Ausland genießen sie dagegen einen hohen Wert, erkannte der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt, der die Festrede hielt. „Sie sind oft wichtiger Botschafter für Deutschland“, lobte er. Wie die anderen Redner erinnerte der Politiker aber auch an zahlreiche Einsätze des THW in Deutschland: Sturmflut in Hamburg 1962, Waldbrand in Celle 1965 oder Schneekatastrophe 1979. In Erinnerung bleibt auch das Elbehochwasser vor einigen Jahren. Überall waren die Helfer des THW im Einsatz. Mit dabei immer die Männer und Frauen des Ortsverbandes Osterholz-Scharmbeck.
Der Ortsverband gehörte zu den ersten in Deutschland. Nur zwei Jahre nach der Gründung des THW wird Helmuth Rumpelt 1952 beauftragt, in Osterholz-Scharmbeck eine Gruppe aufzubauen. Heute ist sie mit 100 Mitgliedern und einer Jugendabteilung zu einem schlagkräftigen Standort geworden. Doch längst sind die Zeiten vorbei, in denen die Aussicht, der Wehrpflicht in der Bundeswehr zu entgehen, die Nachwuchsgewinnung leicht machte. Jetzt gilt es, die Aktiven zu halten und neue Mitstreiter zu motivieren. „Helfen macht Spaß. Das müssen sie vermitteln“, meinte Mattfeldt. Ganztagsschulen, lange Fahrzeiten und veränderte Arbeitswelt lassen immer weniger Zeit für Ehrenamt, hat der Landesbeauftragte des THW, Ralph Dunger, erkannt. Das macht es nicht gerade leichter. „Überlasse das Ehrenamt doch den anderen Dummen“, zitierte Dunger Wilhelm Busch. Das THW hofft, wie andere Organisationen auch, auf die Zugkraft einer funktionierenden Kameradschaft und Gemeinschaftserleben. Beim Ortsverband läuft das gut. Doch Schumacher ging auf Nummer sicher: „Wir nehmen keinen Mitgliedsbeitrag. Wenn Sie Lust haben – wir hätten noch zwei bis drei Plätze frei.“

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