Totenasche im heimischen Garten?

Urnen mit der Asche von Verstorbenen durften bislang nur auf Friedhöfen oder an ausgewählten Plätzen, wie den sogenannten Friedwäldern, beigesetzt werden. Dies hat sich nun in Bremen seit Beginn des Jahres geändert: Eine rot-grüne Mehrheit stimmte dafür, dass die Asche von nun an, unter bestimmten Auflagen, auch im heimischen Garten oder an öffentlichen Plätzen verstreut werden darf. Wir haben mit Verdener Bürgern und Vertretern aus Kirche und Politik über das Thema gesprochen.
VON ANDREA KREKEMEYER

Landkreis Verden. In den Ortsverbänden der Grünen und der SPD wurde das Thema „Bestattung im eigenen Garten“ bislang noch nicht ausführlicher besprochen. Roland Güttler, Geschäftsstellenleiter des Ortsverbands der SPD für Osterholz, Verden und den Heidekreis, betont daher, es handele sich um seine private Meinung: „Dass das Monopol der Kirche auf Beerdigungen in Bremen beendet wurde, halte ich für eine gute Sache. Ich kann mir vorstellen, dass es für Angehörige ein tröstlicher Gedanke ist, ihre Verstorbenen in nächster Nähe zu wissen und den endgültigen Aufenthaltsort selbst festzulegen“.

Heinrich Wessel hingegen, Vorstandssprecher der Grünen des Ortsverbands Verden, steht der Bremer Änderung kritischer gegenüber: „Meiner Einschätzung nach sollte es einen Ort geben, an dem man seiner Toten gedenken und der von jedem Trauernden problemlos aufgesucht werden kann.“

In seiner früheren Position als Bürgermeister von Langwedel hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt Erfahrungen auf dem Gebiet der Urnenbestattungen sammeln können. „Ich habe es häufig erlebt, dass Angehörige es Jahre später bereut haben, wenn sie sich für eine anonyme Bestattung entschieden hatten“, sagt er. Ähnlich verhalte es sich mit der Entscheidung, die Asche an einem beliebigen Ort zu verstreuen. Je älter die Menschen würden, desto mehr würden sie sich auch mit dem Tod auseinander setzen. „Und dann wird es nach dem Tod eines Angehörigen auf einmal wichtig, eine konkrete Anlaufstelle zu haben, einen Ort, an dem getrauert werden kann“, meint Mattfeldt.

Dies ist auch die Meinung von Michael Speer, Pastor der evangelischen St. Andreasgemeinde in Verden. „Es ist gut und wichtig, dass es öffentliche Friedhöfe gibt, da es nicht nur ein Bedürfnis der Familie, sondern auch ein öffentliches Bedürfnis gibt zu trauern und einen für alle frei zugänglichen Ort zu haben, an dem dies geschehen kann.“ Ein weiteres Argument sei, „dass es leider längst nicht in jeder Familie harmonisch zugehe und daher nicht immer einstimmig entschieden werden könne, in welchem Garten die Asche des Verstorbenen beigesetzt werden soll“.

Die katholische Kirche steht dem Verstreuen von Asche prinzipiell skeptisch gegenüber; Propst Bernd Kösling von der katholischen St. Josef-Gemeinde in Verden erklärt, warum: „Wir verstehen den Menschen als eine Einheit aus Körper und Seele, dem auch nach dem Tod noch höchster Respekt gebührt. Es ist eine Frage der Würde, dass jedem Toten ein bestimmter Ort zugewiesen wird, an dem sein Name steht und wo seiner gedacht werden kann“, meint der Propst. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, „dass jeder Mensch untrennbar mit anderen Menschen verbunden ist. Und die wollen sich nach dessen Tod an ihn erinnern, wobei das Aufsuchen eines bestimmten Ortes von großer Bedeutung sein kann.“

Die Meinung der Verdener Bürger zum Umgang mit der Totenasche ist nicht einheitlich. Der 27-jährige Christian Klein findet die Vorstellung gut, dass man seine verstorbenen Verwandten an einem Ort seiner Wahl bestatten kann. „Jeder sollte für sich entscheiden können, wo etwas so Privates stattfinden soll“, meint er. Diese Einstellung ist für Bettina Fartmann nur schwer nachzuvollziehen. „Ich möchte meinen Großvater nicht in meinem eigenen Garten wissen“, sagt sie. Auch der Gedanke, dass man vielleicht einmal wegziehen und dann die Asche seiner Verwandten zurücklassen müsse, behage ihr nicht. Julian Streising hat ein ganz bestimmtes Szenario im Kopf, das ihn das private Verstreuen ablehnen lässt. „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Garten und eine Windböe trägt auf einmal die verbrannten Überreste eines Verstorbenen auf Ihre Terrasse, die von seinen Angehörigen im Nachbargarten verstreut wurden“, sagt er.

„Viele Haustierbesitzer begraben ihre verstorbenen Lieblinge bei sich im Garten, und das hält auch niemand für verwerflich“, sagt Irene Lau. „Von daher fände ich es sehr gut, wenn man auch Angehörige nah bei sich bestatten könnte.“ Außerdem müsste es weitaus mehr öffentliche Plätze und auch Friedhöfe geben, an denen das Verstreuen der Asche erlaubt sei. „Der Tod ist etwas ganz Natürliches, daher sollte man auch mit der Asche wie mit etwas ganz Normalem umgehen können.“

aus Verdener Nachrichten vom 10.01.2015

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