Unser PPPler erzählt – Teil 3

In der letzten Reihe des Berichts von Tim Mühlenbeck, Teilnehmer am Parlamentarischen Patenschafts-Programm, geht es um Freundschaft und sein Fazit, was er in den Jahr erleben und lernen durfte.

Meine amerikanischen Freunde vermisse ich so unglaublich stark, dass ich nicht in der Lage bin, es in Worte zu fassen. Natürlich bin ich froh, auch meine deutschen Freunde wiederzuhaben. Trotzdem fehlt mir der andere Teil. Freundschaft ist in den USA ein wenig anders, als in Deutschland. Ein Freund ist jemand, der einem nichts Böses will. Jeder Schüler hat mich von der ersten Sekunde an, als einen Freund gesehen. Sie fanden mich interessant, weil ich aus einem anderen Land kam. Außerdem hatte ich Respekt, das war immer gern gesehen. Richtige Freunde findet man mit der Zeit, es ist ein Prozess den ich nicht einmal richtig mitbekommen habe. Irgendwann war ich einfach in der Lage, meiner Gastmutter zu sagen, dass sie mich nicht mehr von der Schule abzuholen brauchte, da ich von da an täglich von meinen Freunden mit ihren Autos nach Hause gebracht wurde. Freunde finden ist in den USA sehr einfach, weil man den ganzen Tag in der Schule ist und Aktivitäten in Anspruch nimmt. Ist man in einem Sportteam, ist automatisch jeder in diesem Team sofort ein guter Freund weil sie merken, dass man sich einbringt. Ich hatte mit meinen Freunden ein gewisses Standardprogramm entwickelt, dass aus Kinobesuchen, gigantischen Lagerfeuern und Gewichtheben bestand. Es hört sich nicht sehr vielfältig an, aber es hat uns allen am meisten Spaß gemacht. Meine Freunde sind somit Schuld, dass ich so ziemlich alle Filme kenne, die momentan in Deutschland in den Kinos sind (ich kann keine synchronisierten Filme mehr schauen, die Stimmen sind grausam), und dass ich Sportsüchtig bin. Ich habe noch nie so viel Zeit in Sportbekleidung vor meinem Auslandsjahr verbracht, wie mit meinen amerikanischen Freunden in einem Monat.

In meiner Zeit in den USA habe ich so viel erlebt, dass es noch ein wenig Zeit brauchen wird, bis ich sagen kann, dass ich völlig wieder hier bin. Noch immer habe ich es nicht geschafft mit einem Starbucks Mitarbeiter deutsch zu sprechen, da dort alles auf Englisch geschrieben steht. Ich schalte automatisch um und bestelle in Englisch. Noch immer rege ich mich darüber auf, dass die Läden um acht Uhr schließen und ich nicht Sonntagnachts um 23 Uhr shoppen gehen kann. Auch das Fahrradfahren ist mir in den ersten Wochen stark auf die Nerven gegangen, obwohl ich über viel mehr Ausdauer verfüge, als vorher. Aber all das wird sich legen, hoffe ich jedenfalls! Kurz bevor ich zurück nach Deutschland geflogen bin, gab es eine Vorbereitung für unsere Rückkehr. Dort wurde uns gesagt, dass unsere Freunde nicht mehr unsere Freunde sein würden, weil wir so lange weg waren. Ich kann nur sagen, dass in meinem Fall kein einziger Freund verloren gegangen ist! Wir sehen uns noch immer in der Schule und unternehmen am Wochenende etwas zusammen.

Ich habe aus diesem Jahr so viele Erfahrungen und neue Fähigkeiten mit nach Hause gebracht, dass ich mir nie vorstellen könnte, den Sprung über den großen Teich nicht gewagt zu haben. Jeder, der über ein Auslandsjahr nachdenkt, ganz egal wohin, dem kann ich nur sagen, dass er es tun sollte. Die Gegenargumente wie, die Trennung von Familie und Freunden, werden von den Erlebnissen so schnell überwogen, dass man schon nach einem oder zwei Monaten Schwierigkeiten hat, den Kontakt nach Hause überhaupt noch freiwillig aufrecht zu erhalten.

Ich möchte ich mich bei Andreas Mattfeldt für dieses Stipendium ausdrücklich bedanken. Es war eine große Ehre für mich, mit dem Parlamentarischen Patenschafts Programm diese Reise anzutreten und meinen Horizont zu erweitern. Jugendliche ins Ausland zu schicken, um dort neue Erfahrungen und Meinungen zu sammeln, ist eine der besten Investitionen, die es gibt. Nochmals vielen Dank.

Tim Mühlenbeck

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