Unser Praktikant stellt sich vor: Politik zum Anfassen – Praktikum im Deutschen Bundestag

Mein Name ist Jannik Woelki. Ich komme gebürtig aus Ho Chi Minh-Stadt (Vietnam) und wurde mit fünf Monaten adoptiert. Seit der Adoption vor 18 Jahren lebe ich in Deutschland. Ich habe vor kurzem die Schule besucht und befinde mich derzeit in der Vorbereitungsphase auf mein Abitur. Gerade führe ich ein freiwilliges Praktikum im Deutschen Bundestag bei dem Abgeordneten Andreas Mattfeldt (CDU) durch. Wie es dazu gekommen ist, was ich hier erlebe und wie ich es hier erlebe, möchte ich in diesem Artikel darlegen.

Zunächst einmal bin ich seit mehreren Jahren politisch sehr interessiert. Das schließt auch mit ein – was eventuell ungewöhnlich für einen Jugendlichen ist -, dass ich in meiner Freizeit lieber Bundestagsdebatten schaue, als „Ballerspiele“ an einer Spielkonsole zu spielen. Durch mein politisches Interesse, welches vorrangig die Bereiche Gesundheit und Bildung betrifft, bin ich auch in verschiedenen politischen Feldern tätig. Beispielsweise trat ich in die Schülervertretung ein, wo ich zunächst stellvertretender, danach Schulsprecher des Gymnasiums war. Außerdem war ich in diesem Zusammenhang auch Stadtschülersprecher, Mitglied des städtischen Ausschusses für Bildung und Forschung, Schulvorstandsmitglied, Fachkonferenzvertreter …

Durch meine Leidenschaft, mich politisch einzubringen, führte ich in meiner Schulzeit unter anderem für die Ausarbeitung von Facharbeiten eigene Interviews mit Landräten, Wissenschaftlern und Abgeordneten durch. Bei einem solchen Interview zum Thema „Utopie – Staatlich verordnete Antifaschismus in der DDR“ habe ich auch Andreas Mattfeldt kennengelernt.

Da ich vor dem Abitur freie Zeit habe, habe ich mich bei Andreas Mattfeldt um ein freiwilliges Praktikum vom 01. bis 12.04.2019 beworben. Nach einer unkomplizierten Kommunikation sitze ich nun im Büro des Abgeordneten im Paul-Löbe-Haus in Berlin.

Zum Anfang meines Praktikums haben mich zunächst sehr freundliche Mitarbeiter von Andreas empfangen und mir dabei geholfen, mich in der Bundespolitik und der Verwaltung einzufinden.

Um den Bundestag besser kennenzulernen, bekam ich von einer Mitarbeiterin einen sehr ausführlichen Rundgang. Die Orientierung habe ich hierbei durch eine Schnitzeljagd nachträglich trainiert.

Ab dem ersten Tag wurde der Bundestag wie ein neues Zuhause und ich wurde in den politischen Alltag eingebunden. Begleiten darf ich den Abgeordneten in den Petitions- und Haushaltsausschuss sowie in die einzelnen Arbeitsgruppen und Gesprächen mit Fachpolitikern. Diese Tätigkeiten finden bei mir großes Gefallen. Da ich mein Praktikum innerhalb zweier Sitzungswochen absolviere, nehme ich inständig als Zuschauer der CDU/CSU-Fraktion an diversen Plenarsitzungen des Bundestags teil. Hierzu bestelle ich zuvor sogenannte „Einlasskarten“, die mir den Zutritt zum Zuschauen gewähren. Zu selbst ausgewählten, spannenden Tagesordnungspunkten kann ich somit Politik hautnah miterleben – Politik zum Anfassen.

Neben Plenardebatten durfte ich auch Andreas bei drei Führungen durch die Liegenschaften des Bundestags von Schulklassen begleiten. Hierbei ergeben sich neben der Funktion der Begleitung teilweise spannende Gespräche mit den Teilnehmern der Führungen.

Während des Praktikums sehe ich auch viele bekannte Politiker, die ich zunächst nur in den Medien gesehen habe. Mit einigen Politikern ergaben sich sogar ein kurzes Gespräch und ein schnelles Foto. Diese Erfahrung sehe ich als sehr positiv an.

Durch die verschiedenen Einblicke in die Bundespolitik ist es auch sehr aufregend zu beobachten, wie sich einige Politiker geben, das heißt, wie sie agieren, denken. Hierbei lerne ich Politiker genauer kennen. Teilweise nehme ich hier auch Eigenschaften wahr, die ich zuvor nicht erwartet hatte.

Zusätzlich zu meinen Tätigkeiten im Bundestag schreibe ich auch Pressemitteilungen über besondere Ereignisse, beispielsweise über die Schulführungen oder Fachgespräche.

Dass ich vertrauensvoll in die Aufgaben im Bundestag stark integriert bin, erfreut mich sehr.

Natürlich gibt es neben den sehr interessanten und politischen Aufgaben auch diese, die verwaltungsorientiert sind. Hierbei hole ich Post für den Abgeordneten ab und sortiere sie, ordne Mappen, füge neue Kontakte dem Computersystem hinzu und schreibe Zusammenfassungen über aktuelle und komplexe Gesetzesinitiativen. Diese Aufgaben finden bei mir eher mäßigen Gefallen, aber auch sie gehören zum Alltag im Bundestag dazu.

Meine Arbeitszeit beginnt von Montag bis Freitag um acht oder neun Uhr und endet nachmittags. An einigen Tagen nehme ich an solchen Plenarsitzungen teil, die bis in den späten Abend andauern. Auch aufgrund der umfangreichen Arbeitszeit bekomme ich viele Eindrücke und erfahre, wie Politik funktioniert.

Für die Möglichkeit der Wahrnehmung des Praktikums, für die freundliche Betreuung und die umfangreiche Einbindung bin ich diesbezüglich sehr dankbar. Dass ich jetzt hier im Abgeordnetenbüro sitze, ist nicht selbstverständlich. Jedoch ist es ein Beitrag, auch der jüngeren Generationen Politik praxisorientiert zu vermitteln, was aus meiner Sicht langfristig von großer Relevanz ist.

Abschließend möchte ich auch ermutigen, auch, wenn es erst langweilig erscheint, sich mit Politik zu befassen. Ich plädiere hierbei auch für die Wahrnehmung solcher eindrucksvollen Projekte wie ein Praktikum. Denn die Kunst ist nicht, Politik zu kritisieren, sondern sich aktiv für die Verbesserung von Gesellschaft und Politik einzusetzen und sich nachhaltig zu engagieren. Das habe ich von meinem Praktikum gelernt. Es ist wichtig, sich zu beteiligen und Dinge zu bewegen. Um Veränderungen zu erreichen, muss man manchmal selber den ersten Schritt gehen.

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