Viel zu wenig Plätze für ein menschenwürdiges Sterben

VON KATHRIN ALDENHOFF
Bremen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte es angeregt – im November, bei der Bundestagsdebatte über Sterbehilfe, die viele hinterher als eine parlamentarische Sternstunde bezeichneten: Die Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland müsse ausgebaut werden. Als sein Vater im Sterben lag, musste der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt (CDU) aus Völkersen im Landkreis Verden selbst erleben, wie dringend nötig das ist.

Sein Stiefvater, von dem der 45 Jahre alte Politiker im weiteren Gespräch nur als Vater spricht, war vor drei Jahren an Leberkrebs erkrankt. Die Situation verschlechterte sich im Frühling dieses Jahres. Im Juli starb er im Alter von 77 Jahren in einem Krankenhauszimmer in Rotenburg/Wümme. „Wenn man an seinen letzten Lebenstagen in einem kahlen, kalten, beige gestrichenen Krankenzimmer liegt, dann ist das alles andere als angemessen und würdevoll“, sagt Mattfeldt. Zwei Wochen hatte er in der Region nach einem Palliativplatz für seinen Vater gesucht. Eine ambulante palliative Versorgung wie sie Palliativstützpunkte oder Vereine anbieten, kam bei seinem Vater nicht infrage. In den letzten Tagen habe der 77-Jährige viele Schmerzmittel gebraucht. Und Beruhigungsmittel. „Ein Mensch, der ahnt, dass er dem Tod entgegen geht, wird unruhig“, erklärt Mattfeldt. Das hätte seine Mutter und das Pflegepersonal an seine Grenzen gebracht.

Während seiner Suche bekam Mattfeldt immer wieder die gleiche Antwort: Kein Platz, alles belegt. Schockierend sei das gewesen, sagt er. „In Bremen und der Region gibt es viel zu wenig Palliativplätze.“ Auch wenn er sofort hinterherschiebt, dass die Betreuung im Krankenhaus Rotenburg toll war, sowohl die palliativmedizinische für seinen Vater, als auch die soziale für seine Mutter, ihn und die anderen Angehörigen. Aber in dieser schwierigen Situation hätte er sich einen Raum gewünscht, der mehr Heimeligkeit bieten kann, als ein Krankenhauszimmer. Die Atmosphäre sei sowohl für die Angehörigen als auch für den sterbenden Vater bedrückend gewesen. Am Ende der zwei Wochen hatte Mattfeldt einen Platz in einem Seniorenheim gefunden, wo sein Vater in einer angenehmen Atmosphäre hätte sterben können. Doch zu einem Einzug kam es nicht mehr. Der Krankheitsverlauf verschlechterte sich dramatisch, eine Verlegung war nicht mehr möglich.

Inzwischen hat das Rotenburger Krankenhaus eine Palliativstation mit zehn „Räumen der Geborgenheit“, wie sie von der Klinik genannt werden. Seit dem 1. Oktober werden hier Sterbende versorgt. Das Ziel der Station ist es, die Lebensqualität der Patienten wieder soweit zu verbessern, dass sie nach einiger Zeit zum Sterben in ein Hospiz, ein Seniorenheim oder nach Hause können.

Als sein Vater gestorben war, baten Andreas Mattfeldt und seine Familie in der Todesanzeige, Geld für diese Palliativstation zu spenden, statt Blumen für das Grab zu kaufen. Seine Mutter hat sich die neuen Räume angesehen berichtet, sie seien um ein Vielfaches schöner als die normalen Zimmer. „Das brauchen wir auch in Bremen und dem übrigen Umland“, sagt Mattfeldt.

Hermann Gröhe hat in seinem Eckpunktepapier zur Palliativversorgung ein Ziel verkündet: ein flächendeckendes Hospiz-und Palliativangebot in ganz Deutschland. Schwerstkranken Menschen schulde man in ihrer letzen Lebensphase menschliche Zuwendung und umfassende Hilfe.

aus Verdener Nachrichten und Weser Kurier vom 31.12.2014

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