Zum kritischen Briefing bei den Bauern

VON BERNHARD KOMESKER
Teufelsmoor. Am Ende könnten Andreas Mattfeldt die Ohren geklungen haben: Einen Tag lang hatte sich der Bundestagsabgeordnete aus Langwedel gestern Zeit genommen, um dem Osterholzer Landvolk zuzuhören. Und der CDU-Politiker bekam bei seinen Besuchen in Huxfeld, Meyenburg und Teufelsmoor für den Fall seiner Wiederwahl einige agrarpolitische Hausaufgaben mit auf den Weg, allen voran den kaum befriedeten Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft – auch und gerade im sogenannten GR-Gebiet Hammeniederung.
Gut 15 Jahre nach Beginn des Großprojektes sind nun die wichtigsten Ländereien gekauft, getauscht und neu verpachtet, sodass demnächst maßgeschneiderte Naturschutzverordnungen erlassen werden können. Ein rundes Dutzend Teufelsmoor-Bauern befürchtet dadurch weitere Einschränkungen, die vor allem ein Wachstum auf hofnahen Flächen unmöglich machen könnten.
Bisher sei es nach den Worten von Wilfried Lühr gelungen, bescheidene Ausnahmeregelungen durchzudrücken, um überhaupt weiter wirtschaften zu können. Die Wege zu den Flächen seien länger geworden, sagt er, und einen Erschwernisausgleich gebe es auch nicht. Schließlich habe der Landkreis Osterholz, der nun als Großgrundbesitzer die eingeschränkt nutzbaren Flächen zu subventionierten Pachtpreisen vergibt, bereits einmal Fördermittel eingestrichen, als er den Teufelsmoor-Bauern seinerzeit ihr Land abkaufte.
Mattfeldt ist erstaunt: „In Fischerhude gab es solche Probleme nicht“, sagt er und erfährt, dass dort eben die Vorteile der Flurbereinigung überwogen hätten. Das GR-Gebiet indes sei fast dreieinhalb mal so groß und die Definition der Sonderwirtschaftszonen war entsprechend langwierig. Kreislandvolk-Sprecher Reinhard Garbade spricht von einer tiefen Verunsicherung: Ein Landwirt, der auf kapitalintensive Mutterkuh-Haltung umstelle, brauche besondere Planungssicherheit, wird Mattfeldt belehrt. Er antwortet vorsichtig: „Ich bin für pragmatische Lösungen; es gibt ja kaum einen Landkreis, in dem bereits so viel Fläche unter Schutz steht, wie Osterholz.“ Der Haushaltspolitiker weiß aber auch, dass die Öko-Paragrafen, die den Landwirten das Wirtschaften erschweren, „besonders wasserdicht“ sind.
In Teufelsmoor geht es im Beisein von Ortsvorsteher Hans-Hermann Tietjen nun noch um Wegebau und Wasserwirtschaft, um Flächenfraß und Naherholung. Als Garbade auf den Entwurf einer neuen Landesverordnung zur Grünland-Erhaltung zu sprechen kommt, setzt es den erwartbaren Seitenhieb auf den Staatssekretär des grünen Landwirtschaftsministers. Mattfeldt hat umgeschaltet auf Wahlkampf-Modus.
 
Der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt (v. li.) traf sich gestern in Teufelsmoor mit Wilfried Lühr, Ralf Grobler, Reinhard Garbade und Hans-Hermann Tietjen. FOTO: HANS-HENNING HASSELBERG

Der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt (v. li.) traf sich gestern in Teufelsmoor mit Wilfried Lühr, Ralf Grobler, Reinhard Garbade und Hans-Hermann Tietjen. FOTO: HANS-HENNING HASSELBERG
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