Geradeaus will er sein

CDU-Bundestagskandidat Andreas Mattfeldt (hinten) während einer Gesprächsrunde mit Vertretern des Kreisverbandes des niedersächsischen Landvolks. Vom „Schaulaufen“ in Kuhställen hält der hemdsärmelige Politprofi wenig . Er redet lieber mit Landwirten darüber, welche politischen Entscheidungen für sie wichtig sind. FOTO: Henning Hasselberg

Hausbesuche, Infostände, Diskussionsrunden: Der Wahlkampf fordert die Landrats- und Bundestagskandidaten. Die Redaktion hat sie ein Stück begleitet und stellt sie in einer Serie vor. Heute: CDU-BundestagskandidatAndreas Mattfeldt.VON LARS FISCHER

Landkreis Osterholz. Andreas Mattfeldt hat seinen Lieblingssatz. Er lautet: „Ich muss nicht durch den hundertsten Kuhstall gehen und so tun, als ob ich noch nie eine Kuh gesehen hätte.“ Das sei doch albern. Soll heißen: Statt Schaulaufen will er lieber mit Landwirten darüber reden, welche politischen Entscheidungen für sie wichtig sind. Gleichzeitig ist es aber auch die Nachricht an eine der wichtigsten Stammwählergruppen der CDU: Ich bin einer von euch. Mattfeldt kommt aus der Landwirtschaft, er sitze selber noch auf dem Schlepper, wenn es seine Zeit zulässt, erzählt er.
Der 43-Jährige ist Politprofi, keine Frage, aber er versucht seinem Gegenüber immer das Gefühl zu geben, ihm auf Augenhöhe zu begegnen. Sie, Du, Ihr – die Anreden wechseln dabei stetig, so eng sieht Mattfeldt das nicht. Mit seinen politischen Weggefährten ist er sowieso per Du und mit denen, mit denen er viel zu tun hat, meistens auch.
Sein Image ist, kein Image zu haben, damit kokettiert er. Geradeaus will er sein, keiner, der sich hinter Parteiräson versteckt. Ist er anderer Meinung als seine Fraktionskollegen, dann äußert er sie trotzdem – wie beim Thema Fracking. Am Tag zuvor war er mit „Peter“ – gemeint ist Bundesumweltminister Altmaier – in Langwedel unterwegs, im „Erdbebengebiet“ wie es seine Büro-Mitarbeiterin formuliert.
Heute stehen agrarpolitische Themen auf der Tagesordnung, Reinhard Garbade, der hiesige Kreisvorsitzende des niedersächsischen Landvolks, hat eine Reihe von Terminen vereinbart, die dem Bundestagsabgeordneten die verschiedenen Probleme vor Ort vor Augen führen sollen. Von Huxfeld geht es übers Teufelsmoor nach Meyenburg. Andreas Mattfeldt fährt mit dem eigenen Wagen. Auf ihm grinst er sich selbst entgegen – genauso wie von den flächendeckend aufgehängten Wahlplakaten am Straßenrand. „Nervig“ findet er das zwar, aber was soll’s, es ist eben Wahlkampf.
Dazu gehört auch, sich in tristen, irgendwie immer ein wenig improvisierten Versammlungsräumen mit den Sorgen derjenigen auseinanderzusetzen, die vor Ort das ausbaden, was „die große Politik“ in Berlin entscheidet. Mattfeldt versteht sich weniger als Mittler, er versucht nicht, Auswüchse zu vermitteln, die an der Basis sowieso auf kein Verständnis stoßen. Er nimmt Anregungen auf, verspricht, sich zu kümmern, wenn Landwirte darüber klagen, dass Straßen für ihre Maschinen nicht befahrbar seien, nicht nachvollziehbare Naturschutzbestimmungen ihnen das Wirtschaften schwer machten oder es den Feuerwehren an Nachwuchs fehle.
Hemdsärmelige und ruhige Seiten
Manches Mal geht das am besten auf Platt und hemdsärmelig formuliert. Mal versucht er mit seinen Kontakten nach „ganz oben“ zu punkten, dann wieder übt er sich in Understatement: „Wir haben da mal so einen Kram aufgeschrieben – ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagt er und verteilt ein Positionspapier der Unions-Fraktion namens „Ländliche Räume, regionale Vielfalt“.
Aber dann gibt es auch die nachdenklicheren, ruhigen Momente. Etwa wenn Andreas Mattfeldt von seinem eigenen Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr im heimischen Völkersen spricht. Davon, wie er vergeblich mit seinen Kameraden versuchte, eine junge Fahranfängerin aus den Trümmern ihres Autos zu befreien. Die Bilder ließen ihn bis heute nicht los, sagt er.
Oder wenn er von seinem Vater erzählt. Der ist Franzose, Sozialist obendrein. Kennegelernt hat er ihn erst vor zwei Jahren, kurz nach der Geburt seines Sohnes war er zurück in seine Heimat gegangen.
Jetzt sehen sich Vater und Sohn regelmäßig. Mattfeldts zwei Töchter haben einen Großvater dazugewonnen und er ein Gegenüber, mit dem er politisch zwar nicht auf einer Wellenlänge funkt, aber an dem er dennoch viel von sich selber wiederfindet. Darüber spricht er völlig offen, ohne Bitternis.
Gerade Lebenswege seien eben nicht die spannendsten, findet er. Wobei sein eigener dennoch deutlich zielgerichtet scheint: Abitur, Ausbildung zum Industriekaufmann, Geschäftsführer eines Fleischwaren-Unternehmens mit 200 Angestellten, mit 32 Jahren Bürgermeister in Völkersen, mit 40 in den Bundestag. Klingt nach Überflieger, sieht er aber nicht so. „Eher hätte das gar nicht kommen dürfen“, sagt Mattfeldt. „Man muss schon vorher etwas erlebt haben und seine Fehler gemacht haben.“
Als er 2009 als Abgeordneter in den Bundestag kam, da kannte ihn in Berlin kein Mensch, erinnert er sich. Aber er hatte vorher Weichen gestellt, sich über seine Tätigkeit beim Deutschen Städtetag den Boden für zukünftige Netzwerke geschaffen. Menschen kennenzulernen und auf sie zugehen – damit hat Andreas Mattfeldt ganz sicher keine Probleme.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen nennt den Finanzpolitiker schon mal „meinen Haushälter“, und für „seine“ Kanzlerin benutzt er den Kosenamen, den sonst eigentlich immer nur die Opposition hinter vorgehaltener Hand äußert: „Mutti“. Das sei schon in Ordnung, findet er, Angela Merkel selber habe am wenigsten etwas dagegen.
Sollte es anders sein, könnte das auf Kosten seines Listenplatzes gehen, aber wirklich abgesichert ist Mattfeldt über den niedersächsischen CDU-Landesverband auch so nicht. Er vermutet, er sei wohl manches Mal zu unbequem gewesen. Also muss er „seinen“ Wahlkreis selber wieder gewinnen. Und wenn nicht? Seine Frau hält noch immer Anteile am Fleischwaren-Unternehmen, das er seinerzeit mit eiserner Hand saniert hat. Der Weg zurück in die Wirtschaft wäre kein weiter.
Und vielleicht schafft er dann auch endlich noch, was er sich seit Jahren vorgenommen hat: Einmal mit dem Fahrrad von Völkersen zu seinem Wohnwagen auf Fehmarn zu fahren. Früher waren die Kinder immer zu klein dafür, jetzt sind die Töchter 13 und 14 Jahre alt. Bald, so schwant ihm, würde es wohl zu spät sein, sie auf diese Tour noch mitzubekommen.
c/c: Wümme Zeitung v. 19.9.2013
c/c: Osterholzer Kreisblatt v. 19.09.2013
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