Was macht einen guten Politiker aus?

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass BBS-Schüler einem Bundestagsabgeordneten mal so richtig auf den Zahn fühlen können. Jana Habel, Annalisa Pagliara, Friederike Waldeck und Adelina Scholz trauten sich: Die Zwölftklässler der Berufsbildenden Schulen Osterholz-Scharmbeck interviewten mich und wollten unter anderem wissen, was einen guten Politiker ausmacht.

Da waren sie bei bei mir als Freund klarer Worte genau an der richtigen Adresse: Wichtig ist, dass er authentisch ist und sagt, was er denkt, auch wenn er sich damit nicht immer beliebt macht, habe ich ihnen geantwortet. Ich spreche die Dinge konkret an, die mich betroffen machen.  Dafür muss man aber wirtschaftlich unabhängig von der Politik und von der Partei sein. Das ist der Grund, warum ich meinen Job als Unternehmer nicht aufgebe. Ich bin kein Stimmvieh der Partei. Das hat die Kanzlerin auch gemerkt.

Politisch habe ich kein wirkliches Vorbild. Ich bin eher von den Menschen im Dorf geprägt worden, wie von dem Unternehmer Günter Badenhop. Der hat mir als Arbeiterkind gezeigt, dass man mit Fleiß viel erreichen und ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen kann. Für mich war das enormer Ansporn.

Wie die anderen Schüler ihrer Klasse befassen sich die vier Schülerinnen des Gymnasiums mit Schwerpunkt Gesundheit und Soziales mit dem Thema „Sozialraum Jugendarbeit“. Das umfasst die Erhebung der Angebote und Möglichkeiten, die Jugendliche in ihrem Wohnumfeld nutzen können. Ich habe ihnen deshalb von meinem langjährigen Engagement als Jugendfeuerwehrwart und Handballtrainer sowie von meinem Einsatz als Bürgermeister für einen Jugendraum erzählt.

Aber auch Wege von Jugendlichen in die Politik gehören zum Sozialraum, den die 16- bis 19-jährigen Schülerinnen untersuchen:  Warum ich Politiker geworden bin, wollten sie deshalb von mir wissen. Die Erklärung ist einfach: Damals sollte in meiner Heimatgemeinde Langwedel das Freibad geschlossen werden. Das wollte ich nicht. Heute würde man eine Bürgerinitiative gründen. Ich habe Mitstreiter gesucht und gefunden, gemerkt, dass wir allein nichts ausrichten können. Schließlich bin ich zur CDU gekommen, weil die für mein Anliegen offen war und eine leistungsorientierte Partei ist.

1991 wurde ich als jüngstes Mitglied mit 20 Jahren in den Gemeinderat gewählt. 2001 habe ich entgegen aller Erwartungen die Wahlen zum Bürgermeister gewonnen. In dieser Funktion habe ich 2005  dann endlich das Freibad sanieren können. Das ist ein wichtiger Erfolg gewesen, hat aber bis zur Umsetzung auch viel Geduld erfordert. Ein weiterer gelang mir 2013: Da kandidierte ich auf scheinbar verlorenem Posten im Wahlkreis Osterholz-Verden um das Bundestagsmandat – und gewann.  Das hat damals keiner für möglich gehalten.

Stolz bin ich auch darauf, dass mein persönlicher Einsatz zu einer Umkehr in der Bewältigung der Flüchtlingskrise geführt hat: Ich hatte 2015 als wirtschaftlich Unabhängiger den Mut im Bundestag auszusprechen, was die Mehrheit der Deutschen dachte. Dafür bin ich massiv angegangen worden. Aber es hat letztlich dazu geführt, dass heute ein eindeutiges Zeichen an die gesendet wird, die nur aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen. Ich war der erste in meiner Partei, der im Plenum des Deutschen Bundestages gesagt hat, wir können so nicht weitermachen. Sonst machen wir die Falschen stark. Das ist leider auch so gekommen: Heute ärgere ich mich über Tonalität und unwürdiges Verhalten der Extremen im Bundestag.

Ich habe die Jugendlichen ermutigt, sich einzubringen. Ich bin froh über jeden Jugendlichen, der sich in einer demokratischen Partei engagiert, egal aus welcher Schule er kommt. Wichtig sind Selbstbewusstsein, seine Meinung zu vertreten, gute Umgangsformen und ein klarer Menschenverstand.

Und was gebe ich den Jugendlichen mit auf ihren weiteren Weg, wollten die 16- bis 19-jährigen Schülerinnen von mir wissen? Der Bundestag soll ein Spiegelbild der Gesellschaft sein. Lernt was Vernünftiges. Wir brauchen Politiker aus allen beruflichen Bereichen und nicht nur Akademiker. Auch ein Fleischer wie ich kann Politik machen, habe ich geantwortet. Ganz wichtig ist aber auch: Hinfallen ist keine Schande. Das passiert mal im Leben. Aber ihr müsst immer wieder aufstehen.

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