Wie weiter nach der Krise? Ein Gespräch mit Flüchtlingen und Unternehmern bei HWT Hansen in Oyten

hwt Oyten Flüchtlinge 4Letzte Woche habe ich die Firma Hansen Wärme- und Tanktechnik (HWT) in Oyten besucht, um mir anzusehen, wie heimische Unternehmen Flüchtlinge und Migranten bei sich ausbilden. Seit Januar beschäftigt HWT Hansen neben seinen knapp 90 Mitarbeitern, darunter zehn Auszubildende, auch zwei junge Männer aus Syrien und Eritrea als Praktikanten, die ab August diesen Jahres eine feste Ausbildung im Unternehmen beginnen werden. Schon im letzten Jahr hatte ich einen Malerbetrieb in der Region besucht, der Flüchtlinge bei sich in Arbeit gebracht hatte. Ich habe mich von Beginn an immer offen und kritisch in Bezug auf die Grenzöffnung und Aufnahme einer so großen Zahl von Flüchtlingen in einer so großen Geschwindigkeit geäußert. Die Bundesregierung hat andere Antworten in der Flüchtlingskrise gefunden, als ich sie mir gewünscht hätte. Aber ein einfaches ‚Wir schaffen das‘ reicht als Antwort in der Integration von Flüchtlingen leider nicht aus. Als Haushaltspolitiker im Bundestag muss ich die enormen Kosten für die Integration von Zuwanderern finanziell auch in zukünftigen Haushaltsplänen darstellen können. Deshalb will ich mir selbst ein Bild machen, wie die bereitgestellten Finanzmittel eingesetzt werden, damit am Ende alle von der schwierigen Situation profitieren können.

Nun gilt es, die Angekommenen so schnell und nachhaltig wie möglich in Arbeit zu bringen. Auch wenn am Ende nicht jeder bei uns bleiben können wird. Die, die bleiben, können wir aber nicht sich selbst überlassen, hier müssen wir handeln. Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein. Den Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, können wir keinen Vorwurf machen. Auch wir würden uns auf den Weg machen, um unsere Lebensumstände zu verbessern und uns und unseren Kindern eine Zukunft zu ermöglichen, davon bin ich fest überzeugt. Hier unterscheiden wir uns als CDU ganz klar von den Argumentationen der sogenannten Alternative für Deutschland. Ich betone aber auch, dass wir nicht nur die Kommenden unterstützen müssen, sondern gleichermaßen auch diejenigen, die sich der Aufgabe Integration konkret in ihren Betrieben angenommen haben. Wir wollen sehen, dass die bereitgestellten Mittel nicht verpuffen, sondern am Ende auch ein Gewinn für unsere Region daraus entsteht. Im Gespräch mit dem Syrer Ahmad Altwil und Medhanie Tesfei, Migrant aus Eritrea, und Firmeninhaber Jonny Hansen habe ich mir die Zusammenarbeit mit ihren Chancen, aber auch Problemen, ausführlich erläutern lassen. Ich wollte wissen, welche Erfolgsfaktoren wir vom Bund künftig intensiver unterstützen und welche Hindernisse wir aus dem Weg räumen müssen, um die Kosten für die Bürger erträglich zu halten und mehr Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. Ich glaube, dass der Aufwand für interessierte Betriebe, einen Flüchtling einzustellen, noch erheblich verringert werden kann.

Im Gespräch wird schnell klar, wo die Integrationsbemühungen des Bundes besser unterstützt werden können. Das Problem ist vor allem die Sprache. Es wäre hilfreich das sprachliche Verstehen in den Vordergrund der Lehrbemühungen zu stellen, sagt HWT-Inhaber Jonny Hansen. Geschäftsführer Frank Thiele erklärte mir, dass die beiden an den Berufsbildenden Schulen in Verden 14 Stunden pro Woche Fachunterricht bekommen. Dabei lernen sie die Sprache meist so nebenher. Das sollte sich in Zukunft bessern, weshalb die Firma derzeit gemeinsam mit einer ebenfalls im Oytener Gewerbegebiet ansässigen zweiten Firma prüft, wie zusätzlich noch ein weiteres Sprachschulungsprogramm angestoßen werden könnte. Nur so könne sichergestellt werden, dass Ahmad und Medhanie ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können, denn gerade auch das Verständnis von Fachbegriffen in Lehrberufen ist nicht einfach. Aber auch die Erfolge müssen anerkannt und gewürdigt werden. 15 Monate nach ihrer Ankunft sprechen beide Flüchtlinge schon sehr gut Deutsch. Um Lernfortschritte aber weiter erhöhen zu können, wäre es sinnvoller, die Kurse kleiner zu machen und ihre Dauer zu verlängern. Leider fehlt es aber gerade auch an Sprachlehrern, die gar nicht auf dem Markt verfügbar sind. Diese und weitere Anregungen werde ich mit zu den Gesprächen mit der Agentur für Arbeit nach Berlin mitnehmen.

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