Zweifel an Gutachten zu Erdbeben-Schäden

 

104 Gebäudeeigentümer hatten nach dem Erdbeben am 22. November 2012 in Langwedel Schäden an ihren Häusern gemeldet. 19 von ihnen sollen von der RWE Dea als wahrscheinlichem Beben-Verursacher eine Entschädigung bekommen, rät das Gutachterteam. Die restlichen Betroffenen erhalten kein Geld. Kritik an den Gutachten gibt es unter anderem von der Bürgerinitiative „No Fracking“ und dem Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt.
VON MICHAEL KERZEL

Langwedel. Bauliche Mängel sollen verantwortlich sein für die meisten der Schäden, die Gebäudeeigentümer nach dem Erdbeben am 22. November 2012 in Langwedel gemeldet haben. Nur bei 19 der 104 angezeigten Schäden könne laut dem Gutachter-Team um den Architekten Gregor Dreischhoff nicht ausgeschlossen werden, dass sie durch die Erdstöße verursacht oder verschlimmert wurden. „Wenn die ganzen Schäden durch Baumängel entstanden sein sollen, dann müssten die Handwerker in der Region schlechter sein als überall anders“, sagt der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt. Er bezeichnete die Gutachten als „Diffamierung des Handwerks“.
Grundsatzentscheidung gefordert

Er zweifele an, dass nur 19 Schäden in Folge der Erdstöße entstanden. „Bei mir sind es angeblich Baumängel, aber kurz vor dem Beben war der Maler da und da gab es noch keine Risse“, sagt Mattfeldt. Auch Gerd Landzettel, Ratsherr im Flecken Langwedel, hält die Gutachten für unzureichend begründet, nachdem er mehrere gelesen habe. „19 von 104 Schäden werden anerkannt. Das würde bedeuten, dass 80 Prozent der Betroffenen versuchen, sich unberechtigt einen Vorteil zu verschaffen. Und das glaube ich nicht“, sagt Landzettel.

Zu denjenigen, die keine Entschädigung erhalten, gehört Völkersens Ortsbürgermeister Andreas Noltemeyer. „Laut dem Gutachten und der angegebenen Din-Norm kann an meinem Haus kein Schaden durch das Beben passiert sein. Die Risse sind aber definitiv größer geworden. Nur beweisen kann ich das nicht“, sagt er.

Ähnliches berichtet Andy Molnar-Sipan, einer der Geschäftsführer des Unternehmens Dis-Tec. An zwei Unternehmensgebäuden, die „Auf dem Lintel“ in Daverden stehen, seien Schäden entstanden. „Der Gutachter hat erklärt, dass die Zick-Zack-Risse in den Fliesen nicht durch das Beben hervorgerufen wurden. Es würden schon mehr Schwingungen verursacht, wenn jemand mit hochhackigen Schuhen darüber gelaufen wäre“, sagt er. Ob er gegen die Gutachten vorgehen werde, müsse er mit seinem Geschäftsführer-Partner klären. „Wir wollen aber eine eigene Messstation bei uns aufbauen, damit wir beim nächsten Beben beweisen können, dass eventuelle Schäden durch die Erdstöße entstanden sind“, sagt Molnar-Sipan.
Noltemeyer fordert eine grundsätzliche Entscheidung, wie nach Erdbeben vorgegangen werden können. „Das Gutachten über mein Haus, das ich jetzt habe, ist bei einem Beben in drei Jahren wertlos. Dann geht das Ganze von vorne los“, meint er. Das habe der Gutachter bestätigt.

Über die Bürgerinitiative „No Fracking“ haben sich aktuell 30 bis 40 Betroffene zusammengeschlossen, um eventuell gemeinsam gegen die Gutachten vorzugehen, darunter Noltemeyer und Mattfeldt. „Ende 2015 läuft die Verjährungsfrist ab. Die Zeit werden wir nutzen“, sagt Noltemeyer. Zunächst wolle er den Besuch des Sachverständigen für Bergschäden, Andreas Mollinga, und der auf Bergrecht spezialisierten Rechtsanwältin Doris Vorloeper abwarten. Beide kommen zu einer Informationsveranstaltung am 27. Juni, 15 Uhr, ins Gasthaus Klenke nach Langwedel.

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