Alles eine Frage der Kommunikation

Verden – (mw)  Die Kommunikation klappte einwandfrei: „Ich wünsche Dir alles Gute“, sprach die niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann in das überdimensionale Trichtertelefon. Die Botschaft, wen sollte es wundern, freute Andreas Mattfeldt: „Ich danke Dir“, so der CDU-Bundestagskandidat am anderen Ende der Leitung.

Eifrig kommuniziert: Elisabeth Heister-Neumann, Andreas Mattfeld, mit Jonas und Levin (vorne) sowie (hinten von links) MdL-Wilhelm Hogrefe, Michael Grashorn, Brigitte Bertram, Sylvia Barthel und Marjam Glosemeyer.

Ganz im Zeichen der Kommunikation stand der gestrige Besuch der Kultusministerin bei der Lebenshilfe im Landkreis Verden. Was die Ministerin und der Kandidat auf dem neugestalteten Außengelände in Eitze spielerisch demonstrierten, muss auch im Alltag der Einrichtung gelebt werden. 130 Kinder, davon 60 mit Behinderung, werden in Eitze betreut, gefordert und gefördert. Knapp zwei Stunden nahm sich die Ministerin Zeit, die Lebenshilfe kennenzulernen. Ihr Eindruck: „Sie haben den Kompass richtig gestellt.“

Kein Zweifel, die Behindertenarbeit befindet sich in einem Umbruch. Ging es bisher um Normalisierung und Integration, so sei heute von Selbstbestimmung, von der Selbst-Bemächtigung, Selbstvertretung, Teilhabe und Anerkennung behinderter Menschen als Bürger der Gesellschaft die Rede, so Michael Grashorn, pädagogischer Leiter der Lebenshilfe im Landkreis Verden. „Eine Herausforderung, der wir uns stellen.“

Zunehmende Bestrebungen des Gesetzgebers, berufliche Strukturen und Karrieren der Integrationsarbeit zu akademisieren, sehen die Einrichtungen allerdings mit gemischten Gefühlen. Die Inklusion, die volle gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen, sei damit nicht automatisch erreicht. Grashorn: „Wir brauchen nach wie vor bewährte Fachkräfte, ambulante Hilfe und das Knowhow der Ehrenamtlichen.“

Dem mochte sich die Ministerin nicht verschließen. Inklusion ja, aber mit maßvollen Tempo, forderte auch sie. Sie warnte davor, den Schalter von heute auf morgen abrupt umzulegen und von der Integration in die komplette Inklusion zu wechseln. „Das ist nicht zu leisten.“

Für den Gast aus Hannover ist die gelungene Integration bis hin zur Inklusion eine Frage der erfolgreichen Kommunikation zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten. Da liege noch einiges im Argen, wusste sie. Und rennt mit der Erkenntnis bei den Betreuern offene Türen ein. Es hapert bei den Übergängen der Behinderten von Einrichtung zu Einrichtung. Wer sich als Schwerstbehinderter per Technik oder Gestik in der Schule noch verständlich machen könne, müsse nach einem Wechsel in den Beruf damit rechnen, plötzlich nicht mehr verstanden zu werden. „Für Betroffene bricht da eine Welt zusammen“, weiß Sylvia Barthel, Bereichsleitung Tagesbildungsstätte. „Sie verlieren ihre Sprache.“

Lösungsansätze für das Problem gibt es. „Wir brauchen eine einheitliche unterstützende Kommunikation, auf die alle zugreifen können“, fordert Brigitte Bertam, Bereichsleitung Sprachheilkindergarten und Heilpädagogische Kindertagesstätte. Beim Aufbau der Strukturen sieht sie insbesondere die Politik gefordert. „Sie muss die dafür notwendigen Weichen stellen.“

Es dürfte die Politik der kleinen Schritte sein, die zum Erfolg führt. „Diese Erfahrung hat unsere Einrichtung in den vergangenen 20 Jahren gemacht“, zeigte sich Grashorn dankbar. Eine Arbeit, die Früchte getragen habe, so Andreas Mattfeld. „Wir haben im Landkreis Verden Angebote, die weit über den normalen Standards liegen. Die Gemeinden zahlen bei vielen sozialen Einrichtungen noch erheblich drauf“, betonte er. Weitere Erwartungen mochte die Ministerin nicht wecken: „Die Mittel sind knapp und angesichts sinkender Steuereinnahmen wird es nicht besser“, bedauerte sie.

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