„ALV-Zahlen sind nicht mehr hinnehmbar“

Andreas Mattfeldt: Verden schneidet oft schlecht ab / Zweifel am neuen Kennzahlen-Vergleichssystem

LANDKREIS. Der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt ist unzufrieden: „Im Vergleich mit anderen Optionskommunen schneidet die ALV schlecht ab.“ Die kommunale Anstalt des Landkreises belege immer hintere Plätze, und deshalb habe er Arbeitsministerin von der Leyen gebeten, deren Arbeit zu überprüfen. Nicht ganz fair findet dagegen Heiko Greitschus-Kock die Kritik. Das erst seit ein paar Monaten in Nürnberg geführte neue Kennzahlensystem erfasse einige Aspekte nicht. So richtig aussagekräftig sei es deshalb nicht.
Mit der Neufassung des Sozialgesetzbuches II Anfang des Jahres hatte die Bundesregierung die Jobcenter der Optionskommunen gesetzlich verankert. Zuvor hatten 69 Kommunen, darunter die ALV im Landkreis Verden, die Betreuung von Langzeitarbeitslosen in einer Experimentierphase übernommen.

Das Gesetz sieht jetzt vor, dass die Jobcenter anhand von Kennzahlen verglichen werden. In einem Ranking von 55 Jobcentern sollen sie ihre Leistungsfähigkeit beweisen. Seit Mai muss auch Greitschus-Kock jeden Monat ein dickes Datenpaket mit 250 Datenfeldern nach Nürnberg liefern, aus dem nach recht komplizierten Berechnungsverfahren die Kennzahlen für den Vergleich aufbereitet werden. Der Vorstand der ALV zeigt auf einen Ordner mit gut fünf Zentimetern Papier: „Da steht drin, wie das berechnet wird.“

So mal eben nachzuvollziehen ist das Verfahren nicht. Bei der ALV im Verdener Kreishaus hätten sich Controller über Wochen und Monate in die Materie einarbeiten müssen. Mit vier Monaten Verzögerung werden die monatlichen Kennzahlen dann auf einer Internetseite veröffentlicht und können verglichen werden.
„Und tatsächlich schneiden die Optionskommunen im bundesweiten Vergleich schlecht ab“, bemängelt Mattfeldt. Die ALV belegt gerade in den wichtigsten Vergleichen, bei der Integration der Betroffenen in Arbeit, bei der Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften und beim Abbau des Leistungsumfangs, der monatlich gezahlt werden muss, hintere Plätze. „Ich bin nicht bereit, diese Umstände weiter hinzunehmen“, wettert Mattfeldt, der die Entwicklung seit Jahren als Mitglied des ALV-Aufsichtsrates mit verfolgt.

Ein wesentlicher Faktor für den Bundestagsabgeordneten ist die Qualität der Qualifizierungen, die die Kreisvolkshochschule im Auftrag der ALV durchführt.
Ob die Kritik zieht, will Greitschus-Kock nicht kommentieren. Für ihn bleiben wenig Alternativen für die Qualifizierung seiner Kundschaft, nachdem das Arbeitsministerium ihm zum Jahreswechsel erhebliche Einschnitte bei der Ausstattung mit Finanzmitteln beschert hat.
Aber auch das Kennzahlensystem habe seine Schwächen, die seine Bemühungen um die gute Arbeit der ALV zunichte machen. Das fange schon damit an, dass in seinem Haus bereits beim Zugang der Langzeitarbeitslosen versucht werde, sie gleich wieder in Arbeit und, wenn das nicht klappt, in Maßnahmen unterzubringen. Diese Politik berücksichtigen die Kennzahlen aber nicht, so dass sie erfolgreiche Arbeit hier auch nicht würdigen. „Sie zeigen dann nur noch einen geringen Zugang und natürlich auch einen geringen Abgang auf.“

Bundesweit seien zudem die Jobcenter in Vergleichstypen zusammengefasst worden, erläutert Greitschus-Kock. Verden erscheine da in Vergleichstyp 9, in dem ländliche Gebiete in Westdeutschland mit sehr guter Arbeitsmarktlage, saisonaler Dynamik und sehr niedrigem Anteil von Langzeitarbeitslosen gebündelt wurden. Ein Blick auf die Karte zeige dann allerdings, dass Verden in dieser Gruppe in Norddeutschland ziemlich einsam dasteht. „Die anderen aus der Gruppe sind alle in Süddeutschland und unterliegen ganz anderen Bedingungen.“

In Sachen Leistungsentwicklung beispielsweise kämpfe die ALV mit einem Anteil von 30 Prozent der Bezieher, die Arbeit haben, deren Entlohnung aber nicht zum Leben reicht. Da seien die Umstände in den anderen Jobcentern ganz anders. Zweifel am System sind offenbar auch in Berlin und Nürnberg angekommen. „Verden soll in eine neue Gruppe kommen“, so Greitschus-Kock.kle

© 2009 Kreiszeitung Verlagsgesellschaft
 

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