Eine unendliche Geschichte

VON ELINA HOEPKEN
Verden. Eigentlich war es nur ein kleiner Unterpunkt auf der Tagesordnung der Sitzung des Kreistages. Nichtsdestotrotz nahmen die Diskussionen um einen dritten Allerübergang in Verden dann doch einen Großteil der Sitzungszeit ein. Grund dafür war vor allem die CDU. Denn die will das vom Landkreis beauftragte Verkehrsgutachten und dessen Ergebnisse nicht so einfach hinnehmen.

Das Verkehrsgutachten, das bereits im März im Fachausschuss des Landkreises präsentiert wurde, besagt, dass eine dritte Allerquerung nur zu einer unwesentlichen Verkehrsverlagerung in Verden und somit kaum zu einer Entlastung der Nordbrücke führen würde. Untersucht wurde hierbei die sogenannte „Baustraßenvariante“. Dabei handelt es sich um die Baustraße, die im Zuge der Arbeiten an der Eisenbahnbrücke errichtet wurde. Die CDU will sie als Zufahrt für eine mögliche dritte Brücke nutzen (wir berichteten).

„Das Gutachten kann unseren Ansprüchen nicht gerecht werden“, sagte der Dörverdener Landtagsabgeordnete Adrian Mohr (CDU). „Es ist schlicht unbrauchbar und unterirdisch.“ Die „Baustraßenvariante“ sei aus seiner Sicht weiterhin die beste Lösung. „An keinem anderen Ort würden so wenige Menschen beeinträchtigt.“ Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur seien wichtig für die gesamte Region. „Der Hauptnutznießer einer dritten Brücke wäre nicht Dörverden, sondern die Stadt Verden.“

Nicht nachvollziehen konnte indes Landrat Peter Bohlmann die Kritik an dem Gutachten. „Die gutachterlichen Aussagen sind plausibel und decken sich außerdem mit den Erfahrungen der Vergangenheit“, sagte er. Rückendeckung bekam Bohlmann dabei auch von den Grünen. „Für mich sieht es so aus, als ob die CDU mit dem Thema langsam den Wahlkampf für die kommende Kommunalwahl eröffnen will“, sagte die Fraktionsvorsitzende Ulla Schobert. Bis dahin seien allerdings noch eineinhalb Jahre Zeit. „Es ist nicht sinnvoll, seine Zeit mit irrealen Planspielen zu verschwenden“, sagte sie. Und die „Baustraßenvariante“ sei ein eben solches.

„Diese Debatte ist einfach nicht zielführend“, sagte auch Heinz Möller (SPD). „Die CDU versucht Träume zu erwecken, die einfach nicht haltbar sind.“ Stattdessen wolle man sich lieber für einen dreispurigen Ausbau der Nordbrücke und einen zweispurigen Ausbau der Südbrücke einsetzen. Von „illusorischen Plänen“ wollte die CDU allerdings nichts hören. Man müsse jetzt die Chance nutzen, die man mit der Baustraße habe, sagte auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt. „Wir brauchen jetzt den Mut, finanzielle Mittel in die Hand zu nehmen.“

Es gebe im Bereich der Brücke jeden Tag erhebliche Rückstaus. „Von dem volkswirtschaftlichen Schaden will ich gar nicht erst sprechen“, so Mattfeldt. Ein dritter Allerübergang sei nicht nur ein Übergang für Verden und Dörverden, sondern für den gesamten Landkreis. Anders sahen das jedoch die anderen Fraktionen. „Niemand in Oyten oder Achim würde durch eine dritte Allerquerung entlastet“, sagte Heiko Oetjen, Fraktionsvorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion.

Im Vorfeld habe es die Absprache gegeben, dass der Landkreis das Gutachten in Auftrag gebe und die Fraktionen dem Ergebnis dann auch folgen. „Die CDU verfolgt jetzt aber den Grundsatz: ,Das Gutachten passt uns nicht und deshalb lehnen wir es ab’.“ Das könne er nicht nachvollziehen. Entgegen eines Gutachtens weiter auf seinen Vorstellungen zu pochen, sei schlicht wahnsinnig. „Manchmal ist die Schwelle zwischen Mut und Wahnsinn eben sehr niedrig“, so Oetjen.

aus Verdener Nachrichten vom 20.04.2015

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