Mattfeldt bevorzugt große Koalition

Der Wahlkreis Verden-Osterholz wird mit drei Abgeordneten im neuen Bundestag vertreten sein. Während Andreas Mattfeldt (CDU) als Direktkandidat den Wiedereinzug schaffte, kommt Christina Jantz (SPD) über die Liste ins Parlament. Auch Herbert Behrens (Linke) ist trotz deutlicher Stimmenverluste weiterhin im Deutschen Bundestag vertreten.

VON ANDREAS BECKER, MICHAELKERZEL UND ULRIKE PRANGE

Landkreis Verden. Hochzufrieden mit den Wahlergebnissen – sowohl bei den Erst- als auch Zweitstimmen – zeigte sich Andreas Mattfeldt (CDU), der den Wahlkreis Verden-Osterholz auch in den kommenden vier Jahren vertreten wird. „Es ist ein toller Vertrauensbeweis der Menschen, dass ich wieder gewählt wurde“, sagte er zum Gewinn des Direktmandats. Man dürfe nicht vergessen, dass die Region Verden „eigentlich ein tiefroter Wahlkreis“ gewesen sei. Das habe sich jedoch grundlegend geändert: „Der Wahlkreis ist bürgerlicher geworden. Und das scheint sich zu verfestigen“, meinte Mattfeldt. Er habe damit gerechnet, das Direktmandat „knapp zu gewinnen“. Sieben Prozent Vorsprung auf seine SPD-Konkurrentin seien ein „gigantisches Ergebnis“.

Nun gehe es direkt nach Berlin, sagte er gestern Mittag. „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich eine große Koalition bevorzuge – falls man davon bei diesen Stimmenanteilen überhaupt sprechen kann“, zeigte der Völkerser Flagge. Es sei jedoch gut, dass es Alternativen gebe. „Das schwarz-grüne Schreckgespenst gibt es nicht mehr“, sagte Mattfeldt. Bei den Verhandlungen werde jetzt gepokert und um Posten geschachert. Das gehöre dazu.

Bei den ersten Hochrechnungen habe sie sich in der kommenden Woche schon wieder an ihrem Arbeitsplatz im Ortsamt in Bremen-Vegesack sitzen sehen, gestand die Sozialdemokratin Christina Jantz gestern. Dass ihr Büro künftig in Berlin liegen könnte, damit habe sie nicht mehr gerechnet. Erst in der Nacht habe sie erfahren, dass sie über ihre Listenposition einen Platz im Bundestag bekommt. „Wir profitieren damit von der Tatsache, dass die CDU so viele Direktmandate bekommen hat“, sagte Jantz gestern auf Nachfrage.

Drei Abgeordnete für einen Wahlkreis – damit könnten die Bedürfnisse der Wähler im Wahlkreis ganz anders vertreten werden, ist sich die Frau aus Schwanewede sicher. „Aber: Jeder wird dies auch nach seiner Couleur tun.“ Um besser zusammenzuarbeiten und sich gezielt für die Region einzusetzen, hatte sie schon vor der Wahl mit Lars Klingbeil und zwei anderen jungen Genossen ein Positionspapier vorgestellt, das die thematischen Schwerpunkte zusammenfasst und laut Jantz die Grundlage für ihre Arbeit in Berlin sein soll.

Und diese Arbeit beginnt bereits heute: Mittags treffen sich aktuelle und ehemalige Mitglieder in Berlin zur ersten SPD-Fraktionssitzung, morgen ist das nächste Treffen anberaumt. Dann heißt es für Christina Jantz: eine Wohnung suchen, heimisch werden in Berlin – aber nicht zu sehr. „Ich werde die Sitzungswochen in Berlin verbringen, aber sonst in Schwanewede wohnen bleiben“, kündigte Jantz an. Nicht die Koffer packen zu müssen – das ist für Herbert Behrens eine Erleichterung. Auch der Kandidat der Linken aus Osterholz-Scharmbeck erfuhr erst nach einer Zitterpartie am frühen Morgen, dass er seine Arbeit im Bundestag fortsetzen kann.

„Wohnung und Büro aufzulösen – das ist mir nun erspart geblieben“, sagte Behrens gestern erleichtert. „Es ist schön, die Arbeit, die mir Spaß macht, fortsetzen zu können.“ Rund 5000 Stimmen hat er im Wahlkreis weniger bekommen als noch 2009 – „das ist natürlich nicht zufriedenstellend und muss uns zu denken geben“, bilanzierte Behrens. Er möchte die verlorenen Stimmen aber als Auftrag und Ansporn verstehen, sich in den kommenden Jahren genauer um die Belange der Region zu kümmern. Das sei zwar schwieriger aus der Opposition heraus als aus der Regierung. „Doch auch bei Andreas Mattfeldt klangen die erreichten Ziele eher wie Ankündigungen denn als Taten“, kritisierte Behrens.
Sorge wegen der FDP

Auch der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der CDU in Verden, Adrian Mohr, kommentierte den Wahlausgang. Es gebe bei der Wahl zwei Dinge, die ihn sehr freuten und zwei, die ihn beunruhigten: „Das Ergebnis der Union im Bund ist hervorragend. Ich habe selbst vorher auf 37,8 Prozent getippt und 40 Prozent erhofft“, sagte er. Zudem bewertet Mohr das vergleichsweise schwache Ergebnis der Grünen positiv: „Die konnten in den letzten Monaten vor Kraft und Überheblichkeit kaum laufen. Es freut mich, dass sie jetzt schlecht abgeschnitten haben“, erklärte er. Mit Sorge betrachte er aber das Ergebnis der FDP: „Ich habe mir eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition gewünscht. Jetzt wird es schwierig“. Zudem habe ihn erschüttert, dass die Alternative für Deutschland (AFD) fast fünf Prozent der Stimmen erreichte. „Das ist gefährlich für die CDU. Im Grunde handelt es sich um eine Partei wie die Linken – nur auf der anderen Seite des politischen Spektrums“, sagte er.

Einen Tag nach der Wahl überwog auch bei Roland Güttler, Wahlkampfleiter für SPD-Kandidatin Christina Jantz, die Freude über den Erfolg der Schwanewederin. Die Newcomerin habe nach einer Zitterpartie über ihren Landeslistenplatz ein Bundestagsmandat erreicht. „Sie kam aus dem Nichts, und um einen Amtsinhaber zu kippen, muss die Grundstimmung im Bund entsprechend sein. Das klappt nicht, wenn man bei 26 Prozent steht“, erklärte Güttler. Insofern sei das Ergebnis von Christina Jantz ein „achtbarer Erfolg“.

In vier Jahren sehe die Lage unter Umständen ganz anders aus. Bei der Entscheidung für oder wider eine große Koalition in Berlin plädiert Güttler dafür, die Basis zu beteiligen. „Man sollte den Mitgliedern die Möglichkeit geben, sich zu äußern, damit es hinterher nicht wieder Austritte gibt“, argumentierte er. Ein Bündnis mit der CDU wolle im Grunde niemand. Eine rot-rot-grüne Koalition sei aber bereits im Vorfeld ausgeschlossen worden. Jens Richter von der CDU-Geschäftsstelle im Landkreis Verden führt den Erfolg von Andreas Mattfeldt vor allem auf den engagierten Wahlkampf und die deutlichen Aussagen des Kandidaten etwa zum Thema Fracking zurück. Außerdem hätten auch übergeordnete Themen wie die Bewältigung der Wirtschaftskrise und die Euro-Rettung einen positiven Effekt gehabt.

Bei der Bundestagswahl 2009 seien neun Wahlbezirke an die SPD gegangen, diesmal drei. „Das zeigt, dass wir auch in SPD-starken Bezirken punkten konnten“, ist Jens Richter überzeugt. Im Bund geht es jetzt aus seiner Sicht in Richtung große Koalition. Entscheidend sei aber zunächst, „möglichst große Schnittmengen“ zu finden.

c/c: Verdener Nachrichten vom 24.09.13

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