Positive Signale für Mehrgenerationenhaus

Radio-Diskussion mit Bundes- und Landtagsabgeordneten über Zukunft von Osterholzer Einrichtung

Von Katja Glaser Osterholz-Scharmbeck. Steht das Mehrgenerationenhaus in Osterholz-Scharmbeck wirklich vor dem Aus? Donnerstag trafen sich unter dem Dach des Familienzentrums OHZ Vertreter aus Medien, Politik und Wissenschaft zu einer Sondersendung von Radio Nordwest, um die Zukunftspläne und Perspektiven für das Begegnungszentrum in Osterholz-Scharmbeck zu diskutieren. An der Debatte nahmen unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt und die SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Behrens teil. Mit Anne Deutsch, der Vorsitzenden des Familienzentrums, und Dr. Ulrike Baumheier vom Bremer Institut für Arbeit und Wirtschaft erörterten sie die Möglichkeiten. 
 

Die Idee von den Mehrgenerationenzentren hatte die damalige niedersächsische Sozialministerin von der Leyen 2003 ins Rollen gebracht. Als Bundesfamilienministerin stellte sie ab 2005 Bundesmittel für das Programm zur Verfügung. Die Bundesförderung für die insgesamt etwa 500 Mehrgenerationenhäuser läuft zum Ende des Jahres aus: “Es war von Anbeginn des Projekts bekannt, dass die Fördermittel des Bundes nur eine Anschubfinanzierung waren, die auch nach ein paar Jahren auslaufen würde”, bemerkte Mattfeldt. Das heiße nicht, dass die Bundesregierung ein so vielversprechendes und gut umgesetztes Projekt einfach im Regen stehen ließe, so Mattfeldt weiter. Es sei vielmehr nötig, eine Neukonzeptionierung der Mehrgenerationenhäuser vorzunehmen, in deren Rahmen eben auch Einschnitte vorgenommen werden müssten. Behrens mahnte, dass sich die Bundesregierung mit dem Auslaufen der Bundesfinanzierung nicht einfach aus der Verantwortung für das von ihr angeschobene Projekt ziehen könne.
Die Pläne der Bundesregierung sehen nun einerseits die Reduzierung der Mehrgenerationenhäuser von 500 auf etwa 300 vor, wobei vor allem jene dem Rotstift zum Opfer fallen sollen, die laut Ansicht der Bundesregierung “ihren Auftrag falsch verstanden hätten”, sagte Mattfeldt. Als Beispiel führte der CDU-Politiker die Belegschaft eines nicht näher benannten Mehrgenerationenhauses an, die mit politischem Radikalismus beim Weltklimagipfel von sich Reden gemacht habe. Aber auch solche, die sich künftig nicht selbst tragen könnten, müssten den Betrieb einstellen.
Darüber hinaus sollen auch die Hilfsangebote der verbleibenden Familien- und Begegnungszentren, die von der Senioren- und Familienberatung bis hin zur Kinderbetreuung reichen, bundesweit stärker vereinheitlicht werden, um unter anderem mehr Übersichtlichkeit und Transparenz zu schaffen. In Verbindung damit soll auch ein Netzwerk der Mehrgenerationenhäuser mit Senioren-und Familienberatungsbüros entstehen.
Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt war die Ehrenamtlichkeit der Helfer solcher Zentren: “Eines muss klar sein”, sagte Deutsch, “die Ehrenamtlichkeit ist in solchen Einrichtungen absolut alternativlos.” Aber selbst mit ehrenamtlichen Helfern, bemerkte Deutsch auf die Frage des Moderators, sei das Mehrgenerationenprojekt in Zukunft “eine enge Nummer”. Schließlich sei die ganze Büro- und Öffentlichkeitsarbeit nicht ausschließlich von Ehrenamtlichen zu stemmen, so die Vorsitzende. Auch müsse das Kursus- und Fortbildungsangebot deutlich reduziert werden, so Deutsch weiter. Die Unterstützung durch Sponsoren und die Kommune, die sicherlich nicht versiegen werde, könne das Defizit nicht völlig ausgleichen, so Deutsch.
Zu verhaltenem Optimismus regte die Anmerkung Mattfeldts an, dass das Familienzentrum OHZ sogar in Berlin “positiv aufgefallen” sei: “Hier läuft es gut – lassen sie uns die Diskussionen über die Finanzen herunterfahren und uns lieber Gedanken um das Zukunftskonzept machen”, meinte Mattfeldt daher. Auch bei Bundesfamilienministerin Schröder sei dahingehend “keine Überzeugungsarbeit nötig gewesen”, so der CDU-Mann. Die Kreissparkasse Osterholz-Scharmbeck, Sponsor der ersten Stunde, bestätigte ebenfalls, dass sie sich nicht zurückziehen wolle. Somit ist zumindest für das Familienzentrum OHZ die Prognose derzeit positiv: das Mehrgenerationenhaus Osterholz-Scharmbeck wird es wahrscheinlich auch künftig geben.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 25.09.2010

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