Ursula von der Leyen besucht Achim

 

 

Achim. Die Männer vom BKA sind schon da: drei Anzugträger mit Knopf im Ohr. Zu dritt stehen sie vor dem Bürgerzentrum, dahinter zwei Beamte der Polizeiinspektion Verden/Osterholz – das standesgemäße Empfangskomitee für hohen Besuch aus Berlin. Auch wenn Familienministerin Ursula von der Leyen nur für 60 Minuten ins Magdeburger Viertel kommt, um sich lediglich über kleine Projekte der Sozialarbeit zu informieren. So kleine, dass ihnen das Wort „Mikro“ vorangeht.


Dann kommt die Ministerin und zugleich Bewegung in das BKA-Trio. Die Männer sind als erstes an ihrer grauen Limousine, ehe – nein, nicht Achims Bürgermeister Uwe Kellner, sondern Langwedels Verwaltungschef Andreas Mattfeldt die Besucherin empfängt: „Willkommen in Achim, Frau Ministerin.“ In Wahlkampfzeiten ändert sich eben schon mal die Reihenfolge der Honoratioren. Außerdem hat der CDU-Bundestagskandidat aus dem Flecken die Ministerin eingeladen und nicht der Achimer Bürgermeister.

 

 

Eine Ministerin, zwei Bürgermeister: Bei ihrer Stippvisite im Bürgerzentrum bekam es Ursula von der Leyen gestern sowohl mit Achims Verwaltungschef Uwe Kellner (links) als auch mit seinem Langwedeler Kollegen und CDU-Bundestagskandidaten Andreas Mattfeldt zu tun.

Der begrüßt von der Leyen erst später in den Räumen des Bürgerzentrums. Und erklärt ihr erstmal, was es mit dem Magdeburger Viertel eigentlich auf sich hat: dass nämlich überall im Wohnquartier Betonburgen standen, die vor Jahrzehnten als sozialer Wohnungsbau gefeiert wurden; dass sie schließlich leer standen und abgerissen werden mussten; und dass in Achim Sozialarbeit stets Hand in Hand mit baulichen Veränderungen geht.

Von der Leyen kennt das. Denn wer es noch nicht wusste: „Ich war mal beides – Niedersächsische Bauministerin und zugleich Sozialministerin“, erläutert sie, um sich sogleich selbst zu bremsen. Schließlich sei sie als „Lernende“ nach Achim gekommen, um zu erfahren, wie es hier mit den Mikroprojekten des Förderprogramms „Stärken vor Ort“ klappt und wo es mit der Unterstützung von Frauen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund hapert. Von der Leyen: „Daran bin ich eigentlich noch mehr interessiert.“

Zuvor gibt es für die Ministerin allerdings einen Einblick in ein gelungenen Projekt: einen Filmbeitrag über das Theaterstück „Wir sind Europa“, das Hauptschüler auf die Bühne gebracht hatten. Was von der Leyen zu sehen bekommt, macht sie hinterher erstmal nahezu sprachlos: „Toll!“, lautet ihr knappes Resümee. Im Gespräch mit den Darstellern, Sozialarbeitern und Schulvertretern am runden Tisch will sie es dann ganz genau wissen: „Was hat Euch das Projekt gebracht? Welchen Nutzen zieht Ihr daraus? Was war einfach, was schwierig?“

Die Schüler sind die ersten, die Antwort geben: Eine Jugendliche spricht von „mehr Zusammenhalt“ und „mehr Selbstbewusstsein“. Einer bekennt, dass ihm das Reden weniger liegt und er sich deshalb überwinden musste. Und er sagt auch, was die Ministerin zustimmend nicken lässt: „Ohne ,Stärken vor Ort’ hätte es das Theaterprojekt nicht gegeben.“ Und deshalb wäre es wichtig, dass die Bundesregierung das Förderprogramm beibehält.

Ein Appell, den Bürgerzentrums-Koordinator Dirk Ysker unterstützt, denn: „Das Geld wird gebraucht.“ Im Magdeburger Viertel gebe es nach wie vor großen Bedarf, Frauen und Jugendliche in Projekten an die Hand zu nehmen. Eine Hilfe, die eigentlich schon viel früher einsetzen müsste, wie Bürgermeister Kellner meint. Was nütze ein Workshop zur Berufsvorbereitung, wenn er erst im letzten Schuljahr angeboten wird?

Auch sollte die Unterstützung tiefer gehen als bisher. Ein Anliegen, das Sozialarbeiter Mehmet Ates auf den Nägeln brennt. Es gebe viele Jugendliche, die sich im Rahmen des Förderprogramms weiterbilden, aber letztlich doch nur Absagen bekommen, wenn es um eine Ausbildung geht: Land und Bund müssten da am Ball bleiben. Für Niedersachsen könne sie zwar nicht sprechen, aber: Der Bund bleibe am Ball, versichert von der Leyen – „selbstverständlich“.

 

 

 

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